Aha-Erlebnisse

Damit es LäuferInnen nicht langweilig wird, brauchen sie ab und zu ein Aha-Erlebnis auf der Strecke.

Obwohl mich viele FreundInnen oder KollegInnen immer wieder fragen: Nein, mir ist es beim Laufen noch nie langweilig gewesen! Es gibt ja so viele unterschiedliche Strecken, zudem kann man sein Tempo und seine Laufdauer variieren, kann Fahrtspiele bzw. Intervalle laufen oder auch mal auf einen Berg hochrennen.

Wenn mir nach einem eher gemütlichen, nicht langen und nicht zu schnellen Lauf ohne Tempowechsel ist, mache ich mich zumeist auf den Weg in den Nymphenburger Schloßpark, den ich fußläufig erreichen kann. Ich genieße es, zu beobachten, wie sich der Park im Lauf der Jahreszeiten verändert, bei Schnee ist er der absolute Traum! Total reizvoll sind die verschlungenen Wege hin zu den kleinen Parkburgen und den eher versteckten Attraktionen wie der Pan-Statue oder dem Prinzengarten, in dem (angeblich) auch König Ludwig II. gespielt hat. Nur ganz nebenbei, aber für LäuferInnen nicht unwichtig – auch gepflegte öffentliche Toiletten und Trinkbrunnen hat der Park zu bieten! Eine Route, etwas über 6 km lang, führt direkt innen an der Gartenmauer einmal rund um den Schloßpark herum, dort sind nur Läufer unterwegs, normale Spaziergänger verirren sich nicht dorthin. Ich befürchte fast, der Trail ist eigentlich „verboten“, überall im Park stehen ja Schilder herum, man solle die offiziellen Wege nicht verlassen, in erster Linie wohl, um das im Park lebende Wild nicht zu verschrecken. Auch sonst ist mir die Strecke innen an der Mauer meist etwas zu baatzig (=schlammig) und auch zu unheimlich, manchmal zu weit von den offiziellen Wegen entfernt, so dass ich bei einer Rundtour brav auf den offiziellen Wegen im Park bleibe oder auf der anderen Seite der Mauer außerhalb des Parks laufe. Auf dieser Rundtour kommt man viermal an Stellen vorbei, wo sich die Gartenmauer plötzlich absenkt und den Blick in einer großen Sichtachse in den Park hinein oder hinaus freigibt.

Im Löwental-Aha. © Haas-Gebhard

Solche gartenbautechnischen Anlagen kamen ab dem 18. Jahrhundert in Mode und wurden „Ahas“ genannt, womit man den Überraschungseffekt (aha!) der Besucher ausdrücken wollte, die plötzlich in ungeahnte Weiten blicken konnten.

So funktioniert ein Aha. © Haas-Gebhard.

Der Nymphenburger Schloßpark hat über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche Umwandlungen erfahren. Zunächst gab es dort nur einen kleinen gestalteten Renaissancegarten – ähnlich wie den heutigen Hofgarten in München. Nach dem Vorbild von Versailles wurden dann zu Beginn des 18. Jahrhunderts in großem Stile axialsymmetrische Rasen- und Blumenbeete angelegt sowie Kanäle und aufwändige Wasserspiele im französischen Stil eingerichtet. Das damals noch direkt an den Schloßpark anschließende, sehr umfangreiche, bis nach Starnberg reichende Waldgebiet war ein beliebtes Jagdrevier der bayerischen Herzöge und Könige, heute ist die Stadt München natürlich längst darüber gewuchert. Im 17. und 18. Jahrhundert aber war Nymphenburg ein sommerliches Paradies im grünen Wald, von wo aus man seinem liebsten Hobby, der Jagd, nachgehen konnte, regiert wurde zumeist von der Residenz in der Innenstadt aus. Die Parkmauer wurde zwischen 1730 und 1735 errichtet, um einen Wildwechsel zu unterbinden, die Ahas dann aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaut, nach Plänen des in meinen Augen genialen Gartenbauarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell, der auch die Sichtschneisen in die umgebenden Wälder schlagen ließ.

Plan des Nymphenburger Schloßparks mit den vier Ahas.

Das Aha, das mir am besten gefällt, habe ich euch gerade im Video vorgestellt, auf dem Plan oben ist es das ganz im Süden. Es erlaubte von dem kleinen Parkschlößchen der Badenburg aus bei entsprechendem Wetter angeblich einen wunderbaren Ausblick bis in die Alpen – heute ist der leider leider zugebaut. Das Löwental, das von der Badenburg zum Aha führt, heißt natürlich nicht so, weil dort im Park einmal Löwen gehalten wurden! Paten sind vielmehr die steinernen Löwen, die vor der Badenburg Wache halten.

Einer der beiden steinernen Löwen vor der Badenburg. ©Haas-Gebhard

Die heißt jetzt aber nicht einfach so „Badenburg“, nein, in ihr befindet sich tatsächlich ein luxuriöser Swimmingpool aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Badenburg war zu ihrer Errichtungszeit eine Sensation, nämlich das erste Gebäude in Europa, das nach der Römerzeit wieder ausschließlich für Badezwecke errichtet worden war!

Im heutigen Stadtgebiet von München gab es tatsächlich in römischer Zeit eine Bade-Anlage – ihr kommt nie drauf, wo! Dem Herrn Gartenbauarchitekten Sckell kann man auch im Englischen Garten begegnen und wo man in München echte Löwen besichtigen kann, wissen wahrscheinlich die meisten Einheimischen – oder etwa nicht? Ich habe da noch Geheimtipps auf Lager!

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