Auszeit auf der Asten

Spazierengehen statt Laufen ist auch mal schön.

Seit einiger Zeit hat mir ein Doc wegen einer Sportverletzung, die ich bislang eigentlich nur in Zusammenhang mit Profi-Fußballern kannte,  Laufverbot erteilt. Leichte Bewegung, meinte er, wäre aber drin, und so habe ich das schöne Sommerwetter des letzten Wochenendes zu einem Spaziergang in den Bergen genutzt. Ziel war der wunderbare Berggasthof auf der Hohen Asten bei Flintsbach am Inn.

Laufpause. Sagenhafter Blick vom Rehleitenkopf auf den Großvenediger!

Den Platz kennen eigentlich alle LäuferInnen, die im Bayerischen Oberland unterwegs sind, denn er ist das Ziel des alljährlich stattfindenden, vom ASV Flintsbach ausgerichteten Asten-Laufes. Der findet normalerweise im August statt und führt „nur“ über 6,5 km, auf denen es aber gilt, 652 Höhenmeter zu überwinden. Das ist nicht ganz unanstrengend und zahlreiche LäuferInnen erzählen davon, dass man auf dem letzten Teilstück v.a. mit der Aussicht auf den Kaiserschmarrn quasi nach oben gezogen wird, der den Finishern dann im Ziel serviert wird. Ich konnte jetzt einwandfrei feststellen, dass man die Strecke durchaus auch einmal gemütlich in 2:30 raufschlendern kann und nicht in 0:45 hochrennen muss. Der Kaiserschmarrn schmeckt dann auch noch genauso gut! Historisches hat die Strecke selbstverständlich sehr viel zu bieten. Jeder, der auf der Inntal-Autobahn Richtung Süden unterwegs ist, kennt das weiße Peterskicherl auf dem „Kleinen Madron“ rechts der Strecke, das ein Überbleibsel eines mittelalterlichen Klosters ist und das man beim Aufstieg passiert.

Das Peterskircherl oberhalb von Flintsbach a. Inn. Rufus46 File:Petersberg Flintsbach-1.jpg – Wikimedia Commons

Dort oben wurde vor einiger Zeit von den ArchäologInnen der Ludwig-Maximilian-Universität ausgegraben, weitere Informationen dazu findet man hier: Petersberg – Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie – LMU München (uni-muenchen.de)

Auf einem der Aufstiegswege zur Asten passiert man die malerische  Burgruine Falkenstein, die im Kern noch aus dem 13. Jahrhundert stammt, der Bergfried ist bis heute bewohnt! Etwas weiter oberhalb im Gelände befindet sich auf der rechten Seite dann noch eine weitere Burganlage, von der nur sehr wenige Reste erhalten sind, die sogenannte „Rachelburg“, die sogar bis in die Bronzezeit zurückreicht. Geschichtsträchtiger Boden also überall, über den man hier läuft. Die Funktion dieser Burganlagen im Mittelalter ist ganz klar: sie überwachten den Hauptverkehrsweg der damaligen Zeit, den Inn, der hier sein alpines Gelände verlässt und auf dem Waren aller Art transportiert wurden.

Das Wirtshaus auf der Hohen Asten. Bild: Familie Astl

Spätestens nach 2,5 Stunden hat man von Flintsbach aus dann die Bergbauernhöfe (einer mit Wirtshaus) auf der Asten erreicht; es öffnet sich ein liebliches Hochtal mit Wiesen, Kühen, Schafen und Haflingern, aus dem man einen herrlichen Ausblick genießt. Wunderbares Almengelände, denkt man zuerst, aber knapp daneben, denn auf der Asten befindet sich ein nicht nur saisonal, sondern ganzjährig betriebener Bauernhof, offenbar einer der am höchst gelegenen Deutschlands (1108 m über NN), und das seit mindestens dem 12. Jahrhundert. Ich empfehle (nach dem Kaiserschmarrn) noch ein paar Höhenmeter draufzulegen und Richtung Rehleitenkopf zu gehen, dort öffnet sich der Blick noch einmal weiter und gibt den Blick auf das Kaiser-Massiv und bei gutem Wetter gar auf den Großvenediger frei. Herrlicher kann man sich als Läuferin eigentlich kaum der wichtigen Regeneration hingeben!

Ich danke der Familie Astl, nicht nur für den Kaiserschmarrn, sondern auch dafür, dass sie mir liebenswerterweise ein Foto ihres Hofes zur Verfügung gestellt hat! https://hoheasten.de/

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