Bestes Carbo-Loading mit den Paulanern

Bei dem letzten History-Run meiner Laufgruppe „Sport für Spenden“ hat eine Station das ganz besondere Interesse der LäuferInnen auf sich gezogen. Den Mittelpunkt bildete das isotonische Super-Energy Getränk Bier.

Der Münchner Stadteil Au hat sich in den letzten Jahrhunderten stark verändert. Nichts mehr ist davon zu erkennen, dass sich dort einstmals ein Lustschlösschen der bayerischen Herzöge befunden hat, das auf Wunsch der savoyardischen Prinzessin Henriette Adelaide im 17. Jahrhundert dann in das heutige Nymphenburg versetzt wurde. Das etwas wilde ungezügelte Leben in der Au, damals der Wohnort der einfachen Münchner Bevölkerung, versuchte der Herzog durch die Installation eines Klosters gebändigt zu bekommen. Der erste Versuch ging dabei grandios schief, der zunächst dort eingesetzte Basilianerorden scheint sich in seinem Lebensstil eher an den Auern orientiert zu haben als umgekehrt. 1627 berief man deshalb dann den wesentlich strengeren Orden der Paulaner in das Kloster in der Au. Die Paulaner hatten ziemlich rigide Speisevorschriften, sie waren Veganer (durften aber Fisch essen) und mussten sich an sehr strenge Fastengebote halten, nicht nur in der Fastenzeit. Das dann durch körperliche Arbeit entstandene Defizit konnten die Mönche nur durch „flüssiges Brot“, also durch kohlehydrathaltige Getränke wie Bier beheben und so betrieben sie von Anfang an eine eigene Klosterbrauerei. Mit dem Laienbruder Valentin Stephan Still, der aus einer Oberpfälzer Brauerei-Familie stammte, besaß das Kloster im 18. Jahrhundert schließlich einen genialen Braumeister, der ein legendäres Bier braute, welches nicht nur in der Au, sondern in ganz München reißenden Absatz fand.

Bruder Barnabas reicht dem bayerischen Kurfürsten Karl Theodor eine Maß Salvator (nach 1890). https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/67/Eduard_Ille_Kredenz-Szene.jpg

Dieser Valentin Stephan Still ist der Schöpfer des berühmten Starkbieres „Salvator“ und unter seinem Ordensnamen „Bruder Barnabas“ das Vorbild für den Fastenprediger, der jahrzehntelang beim Derblecken am Nockherberg den PolitikerInnen die Leviten las. Das Paulanerkloster in der Au, das eine riesige Anlage gewesen sein muss, wurde in der Säkularisation 1803 aufgelöst, die Gebäude für unterschiedlichste Zwecke (erst Krankenhaus, dann Knast) umfunktioniert und großteils später abgerissen. Einige Gebäudeteile davon kann man heute sogar noch im Landratsamt München entdecken. Auch der Grundriss der abgerissenen Klosterkirche ist dort im Innenhof mit weißen Steinen markiert. Die Klosterbrauerei gelangte allerdings in Privathände und besteht bekanntermaßen bis heute.

Der Bezug zum Marathonlaufen war bei dieser Story allen TeilnehmerInnen des HistoryRun sofort klar. Auch beim Marathon und sogar schon in der Marathonvorbereitung werden durch das Laufen ja so viele Kalorien verbrannt, dass man seine Kohlehydratspeicher nur durch „Essen“ einfach nicht auffüllen kann und zu diesem Zweck besser zu Getränken greift, um seine Leistungsfähigkeit zu erhalten. Manche haben das glatt als den ultimativen Trainingstipp begriffen und am Vorabend ihres nächsten Rennens keine Pasta- sondern eine Bierparty veranstaltet. Offenbar hat das sogar zu Bestzeiten geführt…

Wer noch mehr zum Thema lesen will, dem empfehle ich: Richard Winkler, Der Salvator auf dem Nockherberg. München (Volk Verlag) 2020.

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