Der Schatz im Luitpoldpark

Ein kleiner Park in München mit tollen Laufstrecken und einem geheimnisvollen Schatz aus der Vorzeit…

Die Vorlage des Bildes stammt von Oliver Raupach, 2006. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Luitpoldhuegel_Muenchen.jpg

In München gibt es einen Park, der sich in seinen Ausmaßen zwar nicht mit Olympiapark, Nymphenburger Schloßpark oder gar Englischer Garten messen kann, aber von Touristen einfach übersehen wird und damit weitgehend den Einheimischen gehört.

Ich laufe ab und zu recht gerne im Schwabinger Luitpoldpark, gleich hinterm Scheidplatz (U-Bahn Station). Dort laufe ich dann meistens meine festen „Stationen“ ab, wie den Obelisken für den Prinzregenten Luitpold und dessen Hain, die Bäckerlinde, den Bertschbrunnen, einen spätgotischen Bildstock mit Marienbild, ein kleines Heckenlabyrinth, das Denkmal eines völlig in Vergessenheit geratenen Geographen, einen Aussichtspunkt mit herrlichem Blick auf die Frauenkirche oder den Pumuckl-Brunnen samt zugehörigem Spielplatz. Außerdem gibt es dort das „Bamberger Haus“, in dessen Biergarten man sich nach einem Lauf (oder auch mal so) wunderbar erholen kann (www.bambergerhaus.com). Sogar Liegestühle werden für diesen Zweck dort entsprechend bereit gehalten! Mit dem sog. Luitpoldhügel, der wie der Olympiaberg aus Münchner Kriegsschutt nach dem 2. Weltkrieg aufgeschüttet wurde, gibt es im Luitpoldpark eine kleine Berglaufstrecke, auf der man immerhin 37 Höhenmeter in mehreren Aufstiegsvarianten machen kann.

Was aber eigentlich keiner weiß: der Luitpoldpark ist auch ein prominenter archäologischer Fundplatz. 1928 hatten Bauarbeiter in der städtischen Kiesgrube am 1911 erst angelegten Luitpoldpark einen Schatz aus der Bronzezeit gefunden. Die Fundstelle befand sich in der Verlängerung der heutigen Burgundenstraße, der Park war damals freilich noch kleiner und der Luitpoldhügel natürlich noch nicht aufgeschüttet. Was war das für ein Schatz ? Es waren keine Münzen, kein Schmuck, kein Gold, nein, der Schatz bestand nur aus einfachen Rohmaterial, aus rippenförmigen KupferBronzebarren von etwa 25 cm Länge. Diese aber in einer gewaltigen Anzahl, über 500 Stück mit einem Gesamtgewicht von sage und schreibe 85 kg ! Heute liegt der Schatz vom Luitpoldpark in der Archäologischen Staatssammlung München: www.archaeologie-bayern.de. Das Museum ist zwar gerade wegen Sanierung geschlossen, aber ich weiß aus ganz sicherer Quelle, dass der Schatz vom Luitpoldpark auch in der neuen Dauerausstellung wieder zu sehen sein wird !

Der Schatz aus dem Luitpoldpark. Foto: Archäologische Staatssammlung München (M. Eberlein)

Auch wenn einem angesichts dieser Masse an grün patinierten, traurig wirkenden Barren vielleicht nicht sofort das Wort „Schatz“ einfällt, in der Bronzezeit müssen diese Stücke einen sehr großen Wert dargestellt haben. Damals (ab ca. 2200 v. Chr.) lernte die Menschheit ja erstmals, überhaupt Metall herzustellen und zu verarbeiten. Aus 85 kg Kupferbarren konnte eine große Menge an Schmuck, Waffen oder Werkzeuge hergestellt werden!  Durch die Legierung von Kupfer mit Zinn erhielt man die begehrte Bronze, die im frischen Zustand wie Gold glänzt. Dadurch war Bronze für die Schmuckherstellung sehr attraktiv. Erst nach langer Lagerung im Boden nimmt es eine grüne Patina an. Waffen und Werkzeuge aus Bronze waren gegenüber entsprechenden Stücken aus Stein, die man vorher ausschließlich kannte, von großem Vorteil. Sie waren wesentlich elastischer und schärfer und vollständig recycelbar, nämlich einfach einzuschmelzen.

Was hat aber die Bronzezeitler dazu bewogen, einen so großen Schatz einfach in der Erde zu vergraben? – man schätzt, dass das irgendwann zwischen 1800 und 1600 v. Chr. geschah. War es das Versteck eines Metallhändlers, der aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr dazu kam, sein Rohmaterial wieder aus dem Boden zu holen? Oder war es ein Opfer an nicht mehr bekannte Gottheiten, um diese zu besänftigen oder um sie zu bitten, dass….. So genau weiß man das nicht, aber immer, wenn ich durch den Luitpoldpark unter den uralten Bäumen trabe, lasse ich meiner Phantasie einfach mal freien Lauf. Was vor fast 4000 Jahren hier wohl so alles abging?

Zur Bronzezeit gibt’s aber noch sehr viel mehr Wissenswertes, auch zum Luitpoldpark und zum Prinzregenten Luitpold erst !

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