Die Eulenburg und ein verschwundenes Schlößchen

Was sich so  Alles in Münchens  Englischem Garten verbirgt.

Der Englische Garten in München – sicher eines der schönsten Laufreviere der Welt! Es ist einer meiner Lauf-Kieze, da meine Arbeitsstätte, die Archäologische Staatssammlung, gleich an dessen Rand liegt und ich so tagsüber ganz wunderbar zu herrlichen Lauf-Mittagspausen aufbrechen kann. Und wenn es mal etwas länger dauern darf, kann ich meine Routen dann auch problemlos nach Norden in die angrenzenden Isar-Auen ausdehnen. Hunderte verschiedener Wege bieten sich an und ab und zu entdeckt man Überraschendes. In der Nähe der Reitschule, also etwa in Höhe des Siegestors, bin ich vor einige Zeit auf ein ulkiges Gebäude gestoßen, das mir zuerst einmal Einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat. Durch ein modernes kleines Dach „denkmalgeschützt“ wirkend, sah es auf den ersten Blick wie eine mittelalterliche Turmruine aus. Aber in Miniaturgröße ? – das Teil ist nur 2 m hoch! Und hier stand, da war ich mir absolut sicher, niemals eine mittelalterliche Burg!

Das Benedikt-Türmchen im Englischen Garten.

Aber die Spur „Burg“ war nicht schlecht, denn nach einigem Recherchieren stellte sich das Türmchen als der letzte Rest der sog. „Eulenburg“ heraus, die zu Münchens erstem Tierpark gehörte! Der bestand nur sehr kurze Zeit, zwischen 1863 und 1866 und wurde privat von einem Kaufmann mit dem schönen Namen Benedikt Benedikt betrieben.

Es war ein in dieser Zeit durchaus üblicher bürgerlicher Zoo mit vorwiegend einheimischen Tierarten. Im Zooführer von L. J. Fitzinger, der 1864 erschienen ist kann man dann auch nachlesen, welche Tiere dort gehalten wurden. In der Eulenburg hausten Stein-Eulen, Baumeulen, Waldohreulen, Schleiereulen, ein Uhu und eine Rabenkrähe, das Türmchen diente als deren Brut- und Nistplatz.

Ein auf dem Areal liegendes, 1823 für den damaligen bayerischen Kriegsminister Nikolaus von Maillot de la Treille erbautes zauberhaftes Schlößchen im italienischen Renaissance-Stil wurde zu einem Restaurant umgebaut. Auf alten Zeichnungen und Bildern wirkt das Gelände sehr reizend, wirtschaftlich rentabel aber war das Unternehmen nicht. Allein durch die Eintrittsgelder konnten die Kosten für den Zoo nicht gestemmt werden. Die Münchner Bevölkerung, die durch die Tierschauen auf dem Oktoberfest so attraktive Tierarten wie Elefanten, Giraffen, Nashörner und alle möglichen Großkatzen kannte, war von den heimischen Tierarten wie Eulen, Fuchs, Marder, Dachs etc. nicht sonderlich hingerissen, der Besuch blieb aus. Offenbar gab es auch ein gewisses Mißmanagement in der Tierhaltung, denn es kam zu einer sehr hohen Sterblichkeit der im Zoo gehaltenen Tiere. Nach drei Jahren musste Benedikt Benedikt aufgeben, später gab es auf dem Areal unter einem neuen Pächter neben dem Restaurant, das jetzt den Namen „Rosipal-Villa“ trug, verschiedene Vergnügungsattraktionen, bei denen Seiltänzer und andere Artisten auftraten. Erst gut 50 Jahre später, 1911, wurde dann übrigens der Tierpark Hellabrunn gegründet, der, finanziell stark unterstützt durch Stadt, Land und damals die Krone, eine bessere Zukunft hatte.

Das Maillot-Schlößchen. Im Vordergrund einer der beiden Weiher des Benedikt-Zoos.

Das bezaubernde Maillot-Schlößchen wurde im 2. Weltkrieg dann leider völlig zerstört, das Gelände wurde nach dem Krieg von der Allianz gekauft und modern überbaut. Das Areal direkt am Schwabinger Bach mit dem „Benedikt-Türmchen“ schenkte die Allianz großzügigerweise dem Freistaat Bayern, so dass es in den Englischen Garten integriert werden konnte und wir heute direkt daran vorbeilaufen können. Manchmal klettern auch Kinder im Türmchen herum, die mir glaubhaft versichert haben, sie wären keine Eulen, sondern Indianer!

Im Rahmen des History-Run den ich für meine Laufgruppe „Sport für Spenden“ Sport für Spenden – Das karitative Laufprojekt (sportfuerspenden.de) im Oktober 2020 durchführen durfte, haben wir auch dieses Türmchen besucht – weitere Stationen des History-Run werden zum Nachlesen hier folgen!

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