Die goldene Blume der Royal Family

Heute ist mir bei meiner Laufrunde eine englische Königsfamilie begegnet. Nein, es waren nicht William und Kate Windsor zu Besuch bei ihren bayerischen Verwandten im Nymphenburger Schloßpark!

Auf meiner heutigen Laufrunde kam ich an einer wild blühenden Wiese vorbei. In einem Meer von Frühlingsblumen in allen Blaunuancen ist mir dabei ein Blümchen in satt gelbem Farbton aufgefallen. Schnell fotografiert und identifiziert: na klar, der Färberginster (Genista tinctoria)! Diese Pflanze war den Menschen in der Vorzeit wegen ihrer Farbe bestimmt auch schon immer aufgefallen und sie waren schnell darauf gekommen, dass man mit ihren Bestandteilen Stoffe knallgelb einfärben kann. Das geht angeblich ganz einfach und wurde auf jeden Fall seit römischer Zeit praktiziert: man weicht die Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Stängel) etwa 24 Stunden in Wasser ein, kocht sie dann eine Stunde und gibt die Wäsche für etwa eine Stunde dazu. Vorher sollte man die Wäsche allerdings in Alaunsalz gebeizt haben, sonst ist die Farbwirkung nur suboptimal. Das muss ich irgendwann mal ausprobieren.

Im Mittelalter kam der Ginster sogar zu königlichen Ehren. Ein französischer Graf des 11. Jahrhunderts aus dem Anjou im unteren Loire-Tal benutzte einen solchen Ginsterzweig angeblich als Helmzier, so dass er dessen Bezeichnung „planta genista“ als Spitznamen bekam. Andere Quellen sagen zwar, dass er besonders gerne Ginsterbüsche als Sichtschutz in seinem Jagdgelände pflanzen ließ, aber ich finde die Vorstellung eines romantischen mittelalterlichen Ritters schöner, der einen Ginsterstängel an seinem Helm trägt.

Ein typischer Helm des 11. Jahrhunderts, mit einem Ginsterzweigchen aufgehübscht.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:KHM_Wien_A_41_-_Moravian_nasal_helmet,_11th_century_transparent.png Foto Sandstein bearbeitet von Macesito, bearbeitet von V. Gebhard

Aus dem lateinischen Namen des Ginsters = Planta genista wurde im altfranzösischen Sprachgebrauch dann Plantagenet, aus dem Spitznamen ein regelrechter Familienname und der Sohn dieses französischen Grafen als Henry II. König von England. Er und seine faszinierende Frau Eleonore von Aquitanien, vor der hunderte von Minnesängern in Bewunderung auf die Knie gesunken waren, sind die Eltern des berühmtesten englischen Königs des Mittelalters: Richard Löwenherz (Plantagenet).

Das Grab von Richard Löwenherz (gest. 1199) in der Abtei von Fontevraud an der Loire. Neben ihm ruht Isabella von Angoulême, die Frau seines Bruders, den wir als den „Prinz John“ aus der Robin Hood Legende kennen.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fontevraud-142-Kirche-Isabel_von_Angoul%C3%AAme_und_Richard_L%C3%B6wenherz-2008-gje.jpg Vorlage G. Eichmann

Der letzte Plantagenet auf dem englischen Thron war übrigens ein Namensvetter des Löwenherz, Richard III., den William Shakespeare zum großartigsten Bühnenschurken der Theatergeschichte machte. In einer aufsehenerregenden Aktion konnten Richards III. Gebeine vor einigen Jahren von britischen ArchäologInnen unter einem modernen Parkplatz in Leicester geborgen und neu analysiert werden. Die Identifizierung gelang über einen DNA-Vergleich mit heute noch lebenden Nachkommen von Richards Schwester Anne, er selbst hatte keine Kinder. Richard III., der aufgrund einer Wirbelsäulenverkrümmung körperlich leicht eingeschränkt war, war an seinen zahlreichen Verletzungen, die er in einer Schlacht 1485 gegen seinen Nachfolger Henry Tudor erhalten hatte, im Alter von 32 Jahren gestorben. Nach den Spuren an seinem Skelett war er in der Schlacht vom Pferd gestürzt, hatte seinen Helm verloren und war dann regelrecht niedergemetzelt worden. Nachdem man seine Leiche geschändet und nackt in einem Wirtshaus zur Schau gestellt hatte, bestattete man ihn ohne irgendein Abzeichen seiner königlichen Würde in der Kirche des Franziskanerklosters Grey Friars in Leicester, das schon 50 Jahre nach seinem Tod im Jahre 1538 abgerissen wurde. Die Lage des Grabes des letzten Plantagenet geriet in Vergessenheit und sein Ruf wurde durch seine Nachfolger nachhaltig zerstört. So ist er uns als der humpelnde, bucklige, brutale und abgrundtief bösartige König im Gedächtnis, dem Shakespeare in seinem Drama ein Denkmal gesetzt hat, der er aber zu Lebzeiten gar nicht war! Alle Infos zum Grab Richards III. in Leicester findet man hier:  https://www.le.ac.uk/richardiii/science.html

Ich habe in meinem Schrank ja einige quietschgelbe Laufshirts, vom Wings for Life Run, vom Marathon in Berlin und in Athen. Die sind ja wohl nicht mehr mit Färberginster gefärbt. Und was hat es eigentlich mit diesem „maillot jaune“ auf sich ? 

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