Die Laufwunder Balto und Togo

LäuferInnen und Hunde – das ist ja keine ganz einfache Beziehung. Manche LäuferInnen werden ständig von ihren treuen Vierbeinern begleitet, andere hatten durchaus unangenehme Begegnungen, an denen zumeist nicht die Hunde, sondern deren Herrchen/Frauchen schuld waren.

Wer meinen Blog aufmerksam liest, hat wahrscheinlich mitbekommen, dass Wölfe die einzigen Säugetiere sind, die ähnlich lange Strecken am Stück laufen können wie Menschen (Mit der Wölfin rennen | runnershistory). Siberian Huskys scheinen nach ihrem Aussehen jetzt gar nicht so weit vom Wolf entfernt zu sein und um zwei legendäre Siberian Huskys soll es heute auch gehen. Gleichzeitig ist es eine Geschichte, die etwas mit einer schlimmen Krankheit zu tun hat, also irgendwie schon auch aktuell!

Auch Border Collies sind Super-Läufer! Hier Birdie mit seinem Frauchen Sonja von Opel, beste Lauf-Coachin! Pic Sonja von Opel, Danke!!!

1925 war im Städtchen Nome im hintersten Alaska eine Diphterie-Epidemie ausgebrochen. Das ist eine akute Infektionskrankheit der oberen Atemwege, die v. a. bei Kindern einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann. Heute kommt diese Krankheit aufgrund einer Durchimpfung der Bevölkerung in Europa nur noch vereinzelt vor. Im Alaska des frühen 20. Jahrhunderts konnte von einer Herdenimmunität noch nicht die Rede sein, offenbar starben in Nome die Kinder reihenweise an Diphterie. Unglücklicherweise war im Ort kein Medikament vorhanden und unglücklicherweise war die am Meer liegende Stadt von außen nicht erreichbar, eingeschneit und das Meer zugefroren. Vorhandene Flugzeuge konnten bei den herrschenden extremen Minus-Graden nicht starten. Die einzige Möglichkeit, das Medikament in den Ort zu schaffen, war über eine Hundeschlitten-Staffel, die am 27. Januar in Nenana startete und am frühen Abend des 2. Februar in Nome ankam. Das waren 1085 km in etwa 127 Stunden, bei Bedingungen, unter denen ein Läufer, selbst der härteste Iron Man, sich nicht auf die Beine machen würde, man liest von -40 bis -50 Grad und Blizzards mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern! 20 Hundegespanne – zumeist Siberian Huskies – kamen zum Einsatz und etliche Hunde überlebten diese Strapaze nicht. Aber der Leithund der letzten Staffel mit dem Namen Balto und sein Musher Gunnar Kaasen wurden von der Presse und der Bevölkerung dann zu amerikanischen Helden stilisiert. Balto erhielt bereits 10 Monate nach dem Ereignis eine Statue im Central Park, durfte seinen Lebensabend im Zoo von Cleveland verbringen und wurde nach seinem Tod tatsächlich ausgestopft im Natural History Museum in Cleveland ausgestellt. Ein bißchen Neid und Ärger gab es jedoch auch, denn ein weiterer Musher, Leonard Seppala hatte mit seinem Gespann und dem Leithund Togo eine wesentlich längere (und gefährlichere Strecke) als Kaasen und Balto zurückgelegt und fühlte sich doch stark zurück gesetzt. Hier seien deshalb beide für ihre Wahnsinnsleistung gewürdigt!

Der Stoff ist übrigens mehrfach verfilmt worden – ich kann da leider keinen zum Anschauen empfehlen, da ich es bisher noch nicht geschafft habe, auch nur einen davon anzuschauen. Meine erste Wahl wäre aber auf jeden Fall der Disney-Film „Togo“ mit Willem Dafoe (ich bin ein Fan…) als Leonard Seppala!

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