Drei Männer im Park – der Amerikaner

Kleine Laufrunde durch die Geschichte des Englischen Gartens in München.

Da sich meine Arbeitsstätte direkt am Englischen Garten befindet, nutze ich die Mittagspause immer ganz gerne für eine kurze oder längere Laufpause, um mich dann mit frei gepustetem Kopf wieder in die Arbeit zu stürzen. Manchmal ist dann natürlich nicht so viel Zeit, aber ich habe da eine kleine, feine Runde, die eigentlich immer geht und auf der man drei Vätern des Englischen Gartens etwas nachspüren kann. Start ist am Rumford-Denkmal, zwischen Eisbach und dem „Fräulein Grüneis“, einem sehr netten Café, wo ich auch gerne eine lauflose Mittagspause verbringe.

Im klassisch-antiken Stil: Das Rumford-Denkmal am südlichen Eingang des Englischen Gartens. Pic Haas-Gebhard

Von dort geht die Runde am Monopteros vorbei, durch den Biergarten am Chinaturm und über die Straße, die den Englischen Garten quert. Den Kleinhesselloher See passiert man auf der Westseite, wo man bei km 1,9 rechts einen schönen Blick auf ein Säulenmonument am anderen See-Ufer genießt, dass dem „göttlichen Gärtner“ F. L. Schkell gewidmet ist. Wer meinen Blog regelmäßig liest weiß, dass zumindest ich ihn vergöttere….(https://runnershistory.de/aha-erlebnisse/ und Ein (hippo)damischer Lauf | runnershistory) Nach der Seespitze passieren wir bei km 2,6  ein weiteres Monument, das dem im Vergleich zu den beiden anderen etwas unbekannterem Herrn Werneck gewidmet ist, der sich ebenfalls um den Ausbau des Englischen Gartens verdient gemacht hatte und seinerzeit verdächtigt wurde, ein Mitglied der „Illuminati“ gewesen zu sein. Von dort kann man zurück bequem am Schwabinger Bach und der Reitbahn entlang zurück zum Ausgangspunkt gelangen, etwa 5,5 km, gemütlich zu laufen.

Kurze Laufrunde durch den Englischen Garten. Das Rumford-Denkmal befindet sich an der Spitze des roten Pfeils.

Heute will ich euch aber von diesen drei Jungs nur kurz den Grafen Rumford vorstellen, die beiden anderen kommen später mal. Eine außergewöhnliche Karriere: als Benjamin Thompson 1753 in Massachusetts in Amerika geboren, machte er – als britischer Staatsbürger – in Europa sein Glück. Ungewöhnlich kreativ und erfindungsreich erfand er viele Sachen und änderte das Leben von sehr vielen Menschen. Er war u.a. vom bayerischen Kurfürsten Karl Theodor mit der Reorganisation der Bayerischen Armee beauftragt worden, die zu dieser Zeit in keinem guten Zustand war.

Ein weiteres Denkmal für den Grafen Rumford in der Maximilianstraße. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a2/Benjamin_Thompson_Statue.jpg

Eine von Rumfords Maßnahmen war es, Militärgärten in der Nähe von Garnisonen anzulegen, die von den Soldaten selbst bewirtschaftet wurden und deren grottenschlechte Ernährung durch selbst angebautes frisches Obst und Gemüse etwas vollwertiger gestalten sollten. Diese Militärgärten befanden sich etwa im Bereich der heutigen Reitbahn, die man auf dem Plan links unten im Luftbild gut erkennen kann. Etwa zur gleichen Zeit entstand der Plan, in dem östlich anschließenden Areal, in dem sich zuvor ein großes königliches Jagdrevier befand, einen der ganzen Bevölkerung (München hatte damals etwa 40.000 Einwohner) zugänglichen Volksgarten einzurichten. Bemerkenswerterweise wurde dies im Jahr 1789 beschlossen, als in Frankreich das Volk gegen seinen König zu rebellieren begann. Ob das eine Rolle dabei gespielt hat, dass die Arbeiten am Park, die sehr aufwändig gewesen sein müssen, bereits 1792 abgeschlossen waren? Rumford hatte die Oberaufsicht über all diese Arbeiten und dies offenbar bestens gemanagt. Die Militärgärten wurden dann übrigens bereits um 1800 wieder aufgelöst.

Wer beim Laufen gerne etwas auf den Ohren hat, es gibt da einen sehr schönen podcast-Beitrag vom BR zur Geschichte des Englischen Gartens, 22 Minuten lang, den man sich auf der Runde gut anhören kann. Die untergelegte Musik verleitet dabei zu einem sehr gemütlichen Lauftempo! https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-englische-garten-muenchens-gruenes-herz/31876

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