Drei Männer im Park – der göttliche Gärtner

Teil 2 von meiner „Mittagspausen – Heimstrecke“.

Endlich konnte ich meine verletzungsbedingte Laufpause beenden ! – und gleich habe ich mich in der Mittagspause wieder auf meine 5 km kurze Standardrunde durch den Englischen Garten begeben. Heute möchte ich euch den zweiten der drei Gründungsväter des Englischen Garten vorstellen, meinen persönlichen Favoriten Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823), einen wahrlich begnadeten Gartenbaukünstler, Stadt- und Landschaftsplaner! Sein Denkmal im Englischen Garten findet man auf einer kleinen Halbinsel am Kleinhesseloher See, gleich beim Seehaus, auf das man allerdings den schönsten Blick von der anderen Uferseite her hat. Der Kleinhesseloher See ist ein künstlicher See, der auf die Idee Sckells zurückgeht. Eine Örtlichkeit namens „Kleinhesselohe“ hat es übrigens nie gegeben, den Namen erhielt der See in Anlehnung an „Großhesselohe“, etwa 13 südlich vom Münchner Marienplatz, das im 18./19. Jh. ein beliebter Ausflugsort der MünchnerInnen war. Man hoffte, durch die ähnlich klingende Namensgebung die Münchner an den neuen See zu ziehen, ein Plan der prächtig aufgegangen ist! Wäre eigentlich auch mal ein schöne Idee, von Kleinhesselohe nach Großhesselohe (und zurück?) zu laufen!

Aber zurück zu Sckell… er stammte aus einer Maler- bzw. Gärtnerfamilie und lernte u.a. in Versailles. In München formte er den Barockgarten am Nymphenburger Schloss um (Aha-Erlebnisse | runnershistory), betätigte sich bei der Planung der seinerzeit neu errichteten Vorstädte wie der Maxvorstadt (Ein (hippo)damischer Lauf | runnershistory) und war grundlegend bei der Erstellung des gartenbauarchitektonischen Konzeptes für den Englischen Garten beteiligt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen Landschaftsgärten „im englischen Stil“ in Mode, abwechslungsreich gestaltete Anlagen mit gewundenen Wegen und vergleichsweise „wilden“ Pflanzungen, die sich grundlegend von den davor üblichen Gärten im französischen oder italienischen Stil absetzten. Meisterhaft hat Sckell die beiden Gartenbaustile in Nymphenburg kombiniert, zentral vor dem Schloss befindet sich dort noch der streng geometrisch gestaltete französische Barockgarten á la Versailles, der dann an den Seiten in einen romantischen „englischen“ Park übergeht. Auch wenn später natürlich noch Einiges verändert wurde, ist der Englische Garten im Prinzip Sckells Werk, er hat z. B. nicht nur den Kleinhesseloher See, sondern auch die Aufschüttung des Hügels, auf dem heute der Monopteros, steht geplant. Die meisten Bach- und Wegführungen, die abwechslungsreich stehenden Bäume und Büsche, die vor allem im Herbst ein unglaubliches Bild im wechselnden Farbspiel des Laubes abgeben, nahezu Alles wurde minutiös von Sckell geplant und präzise umgesetzt. Heute wirkt der Englische Garten wie die reinste Natur, und es kommt einem beim Joggen dort eigentlich nicht in den Sinn, dass es sich bei ihm eigentlich um eine absolut künstliche, völlig durchgeplante Gartenanlage handelt.

Friedrich Ludwig von Sckell – nicht der schönste, aber irgendwie gemütlich – sympathisch, oder?

Das letzte mal auf dieser meiner Standardrunde bin ich ein paar Zusatzschleifen gelaufen und habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich dabei zufällig auf ein weiteres Denkmal für Sckell gestoßen bin, das ich vorher noch gar nicht kannte. Es befindet sich (für MünchnerInnen) an der Orangerie in der Nähe des Chinaturms. Im Wettbewerb um den schönsten Mann Münchens wird er wohl nicht auf den vordersten Rängen landen, der Herr Sckell, aber Genialität kann man ihm kaum absprechen!

Dieser Beitrag entstand in Erinnerung an meinen Papa, für mich auch ein göttlicher Gärtner, dem ich die Erdverbundenheit als Archäologin verdanke und die Liebe dafür, etwas zu beobachten, was über lange Zeit gewachsen ist.

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