Ich bin dann mal weg

auf dem Weg nach Santiago de Compostela….

Den Titel dieses Beitrages kennt ja wohl jeder, die fast schon legendäre Beschreibung von Hape Kerkelings Tour auf dem Jakobsweg. Jetzt habe ich mich nicht aufgemacht, tatsächlich von München nach Santiago zu rennen, sondern wollte euch das einfach mal als „virtuelle“ Lauftour vorstellen. Es werden dieses Jahr zwar wohl wieder zahlreiche echte Laufwettkämpfe stattfinden, aber wenn man zusätzlich noch eine spezielle Herausforderung sucht, kann man sich ja mal ein beliebiges Ziel suchen und versuchen, die Distanz in einem Jahr zu laufen. Vor zwei Jahren bin ich auf diese Weise 3064 km virtuell bis an die Algarve und noch weiter dann nach Lissabon gelaufen. Dieses Jahr nehme ich mir mal das etwas nähere Santiago de Compostela in Galicien zum Ziel, immer unter dem spanischen Motto des Jakobsweges D.A.Y.S.I. = Dios ayuda y Sant Iago! – Gott hilf mir und Sankt Jakob auch! Nach Santiago sind es von München aus 2.203km, mal schauen ob ich dieses Jahr dort ankomme und wenn ja, wann! Aktuell, am 21.1. 2022 bin ich gerade erst mal 110 km gelaufen, stehe also virtuell erst irgendwo knapp vor Kempten.

Das Ziel Santiago de Compostela ist eine der prominentesten katholischen Wallfahrtsstätten, in Europa die Nummer 2 nach Rom und verehrt werden dort die sterblichen Überreste eines Heiligen Jakob. Bei diesem handelt sich um den sog. älteren Jakobus, einen der zwölf Jünger Jesus.

Ausschnitt aus Leonardo da Vinci, Das letzte Abendmahl.

Leonardo da Vinci hat ihn beim letzten Abendmahl direkt neben Jesus, an dessen linke Seite in einem gelbgrünen Gewand platziert. Wie kam dieser Jakobus jetzt aber von Jerusalem in den Nordwestzipfel Spaniens? Im Prinzip beruht dies auf der Legende, dass man ihm nach seinem Tod – er wurde mit dem Schwert hingerichtet – auf ein Schiff legte, das führerlos und ohne Besatzung dann in Galicien anlandete. Durch das ganze Mittelmeer, durch die Straße von Gibraltar, durch den Atlantik, die ganze Küste Portugals entlang? – nun ja, Legende! Im 9. Jahrhundert war man sich allerdings sicher, sein Grab anhand seiner Knochen identifiziert zu haben und errichtete an diesem Platz eine Kapelle, die sich über die Jahrhunderte hinweg zu diesem prachtvollen Bau entwickelte:

Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Pic. Jocelyn Erskine-Kellie, auf flickr

Archäologen haben bei Ausgrabungen festgestellt, dass sich am Platz der Kathedrale von Santiago de Compostela der Friedhof eines römischen Militärlagers befunden hat. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass man bei Bodenarbeiten im 9. Jh. tatsächlich auf menschliche Skelettreste gestoßen ist, aber wohl eher auf die eines ganz normalen römischen Soldaten. Dass es sich dabei um die Überreste des Apostel gehandelt hat, ist halt auch wieder eine Legende. Diese wurde von den spanischen Herrschern stark gefördert, die einen mächtigen christlichen Beistand gegen ihre arabischen Kontrahenten brauchten, die vom frühen 8. bis zum 15. Jahrhundert den Süden der spanischen Halbinsel beherrschten. Santiago bekam dann auch sehr schnell eine Funktion als militärischer „Schlachtenhelfer“ zugeschrieben, jahrhundertelang zogen spanische Heere mit dem Ruf Santiago y cierra, España! in die Schlacht, auch Christoph Columbus berief sich noch auf ihn.  Also dann, auf nach Santiago de Compostela – ich werde „von unterwegs“ berichten!

Santiago y cierra ! Santiago und greif an!

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3 Gedanken zu „Ich bin dann mal weg“

  1. Ganz viele gute Begegnungen, Ideen, Laufkilometer wünsche ich Dir in diesem Jahr und auf deinem Weg nach Santiago! Vielleicht kann ich dich ja irgendwann, irgendwo mal wieder ein paar Kilometer begleiten…
    Martin

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