Jägerin des verlorenen Phönix

Sinnloses Ziel, vergebliche Wege … aus der Asche auferstehen!

Anfang November 2020 konnte man in den Münchner Tageszeitungen lesen, dass anstelle des nicht stattgefundenen Oktoberfestes und des Tollwoods auf der Theresienwiese in der Adventszeit eine 12 m hohe Phönix-Skulptur errichtet werden wird, um daran zu erinnern, dass nach Corona Alles wieder wie „Phönix aus der Asche“ voller Glanz wieder auferstehen wird. Diese Skulptur hat mich interessiert und so bin ich ab November  jede Woche dreimal zur Theresienwiese getrabt, um nach dem sagenhaften Feuervogel Ausschau zu halten. Lauter vergebliche Wege, ein sinnloses Ziel – bis heute gibt es auf der Wiesn koan Phönix…

Theresienwiese 2020: Tristesse pur: koa Wiesn, koa Tollwood, koa Phönix, nur ein Corona-Testzentrum … und ein unbekannter einsamer Läufer! ©Haas-Gebhard

Heute kennen den Phönix in erster Linie natürlich alle Harry-Potter Fans. Der Phönix Fawkes ist Albus Dumbledores Haustier und Harrys Unterstützer in gefährlichen Kämpfen gegen den Basilisk. Alle Potter-Fans wissen um die Bedeutung seiner goldenen Schwanzfedern, die in den Zauberstäben von Harry und Voldemort verarbeitet wurden. Da hat die Autorin Joanne K. Rowling ganz gekonnt einem uralten Mythos einen neuen Geist eingehaucht, denn die Geschichte des Phönix geht bis in das Ägypten der Pharaonenzeit zurück. Er ist dort ein mythischer Vogel, der immer irgendwie mit Osiris, dem Gott der Toten und der Wiedergeburt verbunden ist. Um Osiris und Phönix ranken sich viele Legenden, die bekannteste ist wohl die, dass sich der Phönix am Ende seines Lebens ein Nest baut, sich dort hineinsetzt und verbrennt. Aus dem Ei, das in den Flammen zurückgeblieben ist, schlüpft nach drei Tagen ein neuer Phönix, der dann übrigens ein biblisches Alter von mehreren Jahrhunderten erreichen konnte, sich am Ende seines Lebens ein Nest baut…usw. usw. Mit diesem Mythos wird der Phönix zum Symbol der Unsterblichkeit, das dann auch sehr schnell von den ersten Christen übernommen wird. Der Vogel, den man sich im Alten Ägypten eher reiherartig vorgestellt hatte, nimmt dann mehr und mehr die Gestalt eines Adlers an und taucht immer wieder auch als Symbol für Jesus Christus auf, der ja ebenfalls am dritten Tag wieder auferstanden sein soll. Diese Legende war aber nicht nur auf Ägypten oder den Mittelmeerraum beschränkt. Vor etwa 15 Jahren wurde bei Unterhaching im Landkreis München das Grab einer Frau aus der Zeit um 500 n. Chr. entdeckt, die ihr Gewand mit zwei prachtvollen Schmuckstücken verschloss, auf denen ein Raubvogel dargestellt ist, der ganz klar als Phönix, der aus einem Ei wieder aufersteht, erkannt werden kann.

Auch das wunderbare Opernhaus von Venedig trägt übrigens den Namen des Phönix: La Fenice. Allerdings erst seit 1792 und das in Anspielung auf seinen Vorgängerbau, der einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen war. Der Phönix von Venedig überstand dann auch noch zwei weitere verheerende Brände 1836 und 1996, trägt seinen Namen also durchaus zu recht! Warum aber ausgerechnet eine Laufuhr auf den Namen „Fenix“ getauft wurde, weiß ich jetzt nicht so recht.

Das Ziel „Theresienwiese“ war für mich in den letzten Monaten für meinen geplanten Zweck also sinnlos, die Wege dorthin aber doch nicht vergeblich – ich habe die Läufe zu Intervalltrainings auf den langen pfeilgraden Wirtsstraßen genutzt, wie der Läufer oben auf dem ersten Bild, bin die Treppen zur Bavaria hinaufgestürmt und habe fleißig Kilometer gesammelt, damit ich mein von meiner Coachin Sonja von Opel gefordertes Jahresziel von 3000 km erreiche. Wie diese immer sagt: „Im Winter werden die Gewinner vom Sommer gemacht“. Und ich glaube jetzt einfach mal fest daran, dass wir nächstes Jahr wie Phönix aus der Asche wieder auferstehen und dass dann wieder halbwegs reguläre Wettkämpfe stattfinden können, bei denen sich die ganze bunte Läufergemeinschaft „im wirklichen Leben“ und nicht nur virtuell treffen darf. Wo man mit anderen LäuferInnen ratschen kann, die Aufregung am Start genießt, sich gemeinsam über auch mal schwierige Kilometer kämpft, von Zuschauern (hoffentlich!) angefeuert wird und im Ziel dann gemeinsam sein wohlverdientes alkoholfreies Finisher-Bier und die Zielversorgung genießt.

Die letzten Sätze wurden übrigens mit der wunderkräftigen Schwanzfeder eines Phönix geschrieben….

Thanks to B. Gebhard…. ©Haas-Gebhard

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2 Gedanken zu „Jägerin des verlorenen Phönix“

    1. Caro Wigg, è molto dolce da parte tua! Ma – La Fenice – questa è la tua città e la storia per te! Con un abbracio – B.

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