Kleopatras Nadeln 1

Braucht ihr neue Laufziele? Wie wäre es mit Ägypten?

Bei einem meiner Läufe bin ich in München an der Grenze zwischen Maxvorstadt und Schwabing auf ein Denkmal in Form eines Obelisken gestoßen. In diesem Areal befanden sich einmal die Kasernen Münchens und lt. der Inschrift auf dem Obelisken war dieser dort 1918 im Gedenken an die Gefallenen des Infanterieregimentes Kronprinz errichtet worden.

Ein Obelisk des 20. Jahrhunderts nach ägyptischem Vorbild in München
Obelisk Oberwiesenfeldkaserne Muenchen.JPG – Wikipedia

Die Form des Obelisken stammt ja aus dem Alten Ägypten und das Thema hat mich dann so fasziniert, dass ich als Ziel/Etappenpunkte meiner nächsten Läufe immer Obelisken gewählt habe. Der erste Lauf führte mich dann natürlich zu einem wirklich antiken Obelisken. Wusstet ihr, dass München die einzige deutsche Stadt ist, die einen echt antiken freistehenden „ägyptischen“ Obelisken besitzt? Lange Zeit stand er im Hofgarten vor der Residenz, seit 2009 befindet er sich im Ägyptischen Museum und man kann ihn auch in Lockdown-Zeiten sehr schön von außen besichtigen, am besten in der Dunkelheit, aber bevor die Ausgangssperre beginnt!!!

Im Alten Ägypten waren Obelisken Symbole für die Strahlen des Sonnengottes Re und standen in der Zweizahl vor Tempeln oder Grabdenkmälern. Die oberste Spitze der Obelisken war vergoldet – man kann sich sehr schön vorstellen, wie das unter der Sonne Ägyptens immer gefunkelt hat! Der Schattenumlauf der Obelisken wurde mit der täglichen Fahrt des Gottes Re auf seiner Barke von Sonnenaufgang zu Untergang in Verbindung gebracht. Nach dem Tod der berühmten Kleopatra 30 v. Chr. und der Eroberung Ägyptens durch die Römer entstand im antiken Rom eine wahre „Ägyptomania“.

Überall tauchen ab dieser Zeit in der römischen Kunst ägyptisierende Motive auf, der mysteriöse Kult der ägyptischen Göttin Isis wurde von den Römern kurzerhand übernommen und erfreute sich großer Beliebtheit. Ein vornehmer Römer, Gaius Cestius Epulo ließ sich mitten in Rom kurz vor Christi Geburt eine Pyramide als Bestattungsort bauen, die man heute noch besichtigen kann; sie ist zwar wesentlich kleiner als die von Gizeh, aber immerhin! Ein römischer Kaiser, Hadrian, ging sogar noch weiter: auf seinem Sommersitz in Tivoli wurde auf seinen Befehl ein Seitenarm des Nils, der Canopus, nachgebaut, der dem Kaiser auf seiner Reise nach Ägypten besonders gut gefallen hatte, ein ägyptisches Heiligtum noch gleich dazu! Und auch von den Obelisken waren die Römer begeistert, wir wissen von mindestens 13 Exemplaren, die sie nach dem Tod Kleopatras nach Rom schleppten. Das ist aber auch der einzige Zusammenhang den man zwischen den auch „Nadeln der Kleopatra“ genannten Obelisken und der legendären Pharaonin ziehen kann! Zunächst wurden die ägyptischen Obeliske als Siegestrophäen im Circus Maximus aufgestellt und bald darauf auch als Gedenksteine für alle möglichen Zwecke oder zur Ausstattung der Isis-Tempel genutzt. Sie waren so beliebt, dass sich in Rom eifrig Steinmetze daran machten, Imitationen herzustellen!

Eine zweite Ägyptomania findet in Europa ab dem 18. Jahrhundert statt, befeuert durch den Ägypten-Feldzug Napoleons, in dessen Zug der französische Kaiser und in seiner Folge dann auch andere Herrscher haufenweise originale ägyptische Objekte nach Europa schaffen ließen. Raubkunst, wie schon bei den Römern, natürlich, das ist nicht nur ein Thema des Zweiten Weltkrieges! Die vielleicht bekanntesten ägyptischen Obelisken in Europa, der auf der Place de la Concorde in Paris und der am Victoria Embankement in Westminster (London) sind allerdings keine Raubkunst. Sie waren Ende des 19. Jahrhunderts Geschenke des ägyptischen Vize-Königs, wie auch der Obelisk im New Yorker Central Park, der übrigens vom selben ägyptischen Tempel stammt wie der in London. Der große Obelisk auf dem Petersplatz in Rom ist allerdings tatsächlich Raubkunst, er gehört zu den dreizehn Obelisken, die man in römischer Zeit aus Ägypten nach Rom geschafft hatte.

Und der Münchner Obelisk? Nun ja, der wurde im 19. Jahrhundert ganz ordentlich von König Ludwig I. gekauft und auch anständig bezahlt, allerdings erwarb ihn der bayerische König in Paris, aus der italienischen Kriegsbeute Napoleons…. Mit 5,7 m Höhe ist er ein recht zierliches Exemplar, anders als die großen „Nadeln der Kleopatra“ in Ägypten, Paris, Rom, London oder New York, die über 20 m Höhe erreichen. Sein Material – Rosengranit – stammt tatsächlich aus Ägypten, doch sehr wahrscheinlich wurde er in Rom hergestellt. Die Inschrift auf ihm nennt auf jeden Fall  keine Pharao sondern einen Titus Sextius Africanus, der im Jahr 59 n. Chr.  römischer Präfekt in Ägypten war.

Echte antike Obelisken als Laufziel werdet ihr in Deutschland außerhalb Münchens also nicht entdecken, aber ich wette, dass sich irgendwo bei euch in der Nähe Objekte finden lassen, die ohne diese altägyptischen Vorbilder nicht denkbar sind! Ich lauf schon mal los und suche weitere…

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