Laterne, Laterne…

München leuchtet – und das nicht nur im übertragenen Sinn, wie Thomas Mann so meint. In der dunklen Jahreszeit ist man gerade als Läuferin froh über jede Form der profanen Straßenbeleuchtung.

Im Mai 2020 (https://runnershistory.de/baeume-laeufer-und-geschichte) habe ich ja mal geschrieben, dass ich mir ganz gerne Bäume für ein Fahrtspiel aussuche, also wenn ich auf beliebige, wechselnd lange Distanzen mal abwechselnd ein bißchen schneller oder auch mal ein bißchen langsamer laufen möchte. Das geht dann ungefähr so: bis zu der Eiche Gas geben und dann bis zum Baum mit den gelben Blättern wieder etwas ruhiger und so weiter und so weiter- eine ganz spaßige Trainingsform, die mal etwas Abwechslung in das Läuferinnenleben bringt. Wenn ich aber „ernsthafte“, gezielte Intervalle laufe, also eine bestimmte Strecke sehr schnell (zwischen 100m und 2 km) mit mehreren Wiederholungen (bis zu 12 x) und kürzeren langsamen Passagen dazwischen, nehme ich mir auch ganz gerne Laternen als  Wegmarken. Auf meiner besonders geliebten „Intervallstrecke“ stehen die ziemlich genau in einem Abstand von 25 m, so dass ich mir da bei den kurzen Intervallen den Blick auf die Laufuhr sparen kann und nur Laternenpfähle zähle. An anderen Strecken stehen Laternen übrigens im Abstand von 35 m, an anderen sogar von 70 m, achtet mal drauf!

Die Laternen vom Typ „Hochleite“ stehen auf dieser Strecke genau im 25 m Abstand.
©Haas-Gebhard

Im Herbst und Winter komme ich nach dem Umstellen auf die Winterzeit Ende Oktober häufig nur noch im Dunklen zum Laufen. Gerade für Frauen ist das nicht immer einfach, man wählt dann seine Strecken schon anders und schaut, dass man weitgehend in beleuchteten und stark frequentierten Bereichen unterwegs ist. Noch besser ist es, man zieht dann zu zweit oder zu mehreren (während des Corona-Lockdowns natürlich nur zwei Hausstände…) los. In der Stadt ist das mit der Beleuchtung natürlich wesentlich einfacher als auf dem Land, das schöne München ist auch in der Nacht an vielen Stellen sehr hell – aber das war nicht immer so! Erst 1729, also schlappe 571 Jahre nach der Stadtgründung gab es hier eine erste offizielle Straßenbeleuchtung, zuvor war die Beleuchtung der Straßen und Plätze quasi Privatsache. Manche BürgerInnen hängten große gusseiserne Körbe, die mit brennbarem Material wie tierischem Hautfett (Unschlitt) gefüllt waren, vor ihre Häuser, um die Finsternis zumindest ein bißchen zu erhellen.

Auch die ersten offiziellen städtischen Laternen wurden ab 1729 noch mit diesem Unschlitt, den die Metzger lieferten, betrieben. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts stieg man dann auf Gas und gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Elektrizität um. Noch 1958 waren in der Stadt sage und schreibe 76 Radler unterwegs, die jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit die Laternen entzündeten. Heute schaltet sich die Straßenbeleuchtung ganz automatisch ein, wenn an der Schaltzentrale der Stadt ein Lichtwert von weniger als 50 Lux gemessen wird. 

In der dunklen Jahreszeit ist man als LäuferIn also froh über diese städtische Beleuchtung und man kann dann auch gerne mal den Blick von den Masten etwas nach oben richten, um die verschiedenen Beleuchtungskörper ein bißchen genauer anzuschauen. Auf den Wegen und Plätzen Münchens begegnet man in erster Linie nämlich nur vier verschiedenen Leuchtenmodellen, die aber ganz gezielt eingesetzt scheinen. In Grünanlagen sieht man meistens das Modell „Hochleite“, in den modernen Vierteln wie der Messestadt Riem oder der Parkstadt Schwabing dagegen das Modell „München“. Historischen Vorbildern nachempfunden sind die Modelle „Bavaria“ oder „Alt-München“, die ein romantisches Flair verbreiten. Auf den großen Verkehrsstraßen begegnen dann die schlichten Langfeldleuchten an Abspannseilen oder an „Peitschenmasten“. Individuelle Lösungen gibt es für die großen Prachtstraßen, in der Fußgängerzone und rund um das Olympiazentrum, wo heute noch das Design der 70er Jahre mit seinen kugelförmigen Leuchten besticht.

Schaut beim Laufen also auch mal nach oben, was es für Laternenformen so gibt, aber gebt Obacht, denn der Untergrund kann im Herbst/Winter für LäuferInnen auch auch schon mal gefährlich werden…

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