Militärschwimmen vor Olympia 72

Das erste Freibad in München, sogar der Prinzregent Luitpold ist dort seine Bahnen geschwommen.

Der Olympiapark in München ist im Prinzip ja eine Parkanlage im englischen Stil, also auch so eine Art „Englischer Garten“.  Auf einem ehemaligen Industriebrachland wurde für die Olympiade 1972 vom eine abwechslungsreiche, aber völlig künstliche Landschaft entworfen. Verschiedene Hügel wurden aufgeschüttet, um die Silhouette des Voralpenlandes zu simulieren und alte, seit langer Zeit vorhandene Kanäle wurden aufgestaut, um den Kleinen und den Großen Olympiasee zu erzeugen. Auch die Bepflanzung wurde ganz gezielt ausgewählt, so die Latschenkiefern am Hang des höchsten Olyberges und die besonders im Frühjahr zur Blütezeit sehr reizvollen Kirschbaumalleen als Hommage an die damalige Olympia-Partnerstadt Sapporo in Japan. Obwohl ich wirklich oft durch den Olympiapark laufe, ist mir erst vor kurzem eine etwas sonderbare Baumsetzung am Zulauf zum kleinen Olympiasee, am Willy-Gebhardt-Ufer, ziemlich genau gegenüber der heutigen Montessori-Schule aufgefallen.

Der Baumbewuchs deutet heute noch den Umriss des großen Schwimmerbeckens der alten Militärschwimmschule im Olympiapark an. C Haas-Gebhard

Hier stehen die Bäume ganz auffallend in Reih und Glied und rahmen ein großes Rechteck von etwa 100 m Länge und 20 m Breite ein. Das kam mir extrem rätselhaft vor und nach einigem Recherchieren bin ich in den Heften der Neuhauser Geschichtswerkstatt auf des Rätsels Lösung gestoßen. Die Bäume markieren das erste Münchner Freibad!

Einmal durchs 100m-Becken gesprintet. Helltürkis der alte Standort, bunt meine Laufstrecke. Norden ist oben, am re. Bildrand das Oly-Stadion. C Haas-Gebhard.

Es geht auf eine Militärschwimmschule zurück, die bereits 1827 errichtet wurde. Wenige Jahre zuvor hatte König Ludwig I. einen Schwimmunterricht für die Infanterie als verpflichtenden Ausbildungszweig eingerichtet, da offenbar viele bayerische Soldaten bei Einsätzen ertrunken waren, da sie nicht schwimmen konnten. Besonders auf dem Rußlandfeldzug 1812, wo Bayern an der Seite Napoleons marschiert war, war es offenbar zu hohen Verlusten durch Ertrinken gekommen. Von Anfang an durfte das Bad aber auch von Zivilpersonen genutzt werden, natürlich zu anderen Zeiten als das Militär und in der ersten Zeit auch nur von Männern. Eine Gastronomie sorgte für das leibliche Wohl. Manchmal kam sogar der Prinzregent Luitpold – ein begeisterter Sportler und Schwimmer – hierher zum Bahnen-Schwimmen, was seine Sicherheitsleute vor nicht unbeträchtliche Probleme stellte, da zu diesem Zweck das Bad vollkommen geräumt werden musste. Das Bad wurde bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts immer wieder ausgebaut, besaß dann neben dem 100 m Becken sogar weitere Becken und wurde über die Zeit ständig vom Militär für Lern- und Übungszwecke genutzt, vom Bayerischen Heer ebenso wie später von der Reichswehr, der Wehrmacht und der Bundeswehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es ganz der Münchner Öffentlichkeit übergeben, die das dankbar annahm, da das zweite öffentliche Freibad Münchens, das Dante-Bad, damals von den amerikanischen Besatzern beschlagnahmt war.

Letztendlich musste das Schwimmbad auf dem Oberwiesenfeld aber der Neugestaltung des Geländes im Zuge der Olympiade 1972 weichen. Eigentlich ist es ein bißchen schade, dass man im Olympiapark nicht durch eine kleine Erklärungstafel auf diese Story hingewiesen wird. Aber immerhin hat man hier die Geschichte des Ortes durch die Baumsetzung wach gehalten und neugierige Menschen finden dann schon Möglichkeiten, diese herauszufinden.

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