Mit Willi beim Wings for Life

Anfang Mai findet ja regelmäßig der Wings for Life World Run im Olympiapark in München statt.

Das ist ein Charity-Lauf, der weltweit am selben Tag an unterschiedlichen Orten stattfindet und dessen Startgelder zu 100 % an eine Rückenmarksstiftung gehen. Das Besondere an diesem Lauf ist, dass es kein Ziel gibt, sondern dass zu einem gewissen Zeitpunkt am Start ein Auto, das sog. Catcher-Car losfährt, welches das Läuferfeld verfolgt und einen nach dem anderen einholt, für den das Rennen dann vorbei ist. Die Ziellinie holt einen gewissermaßen ein, je schneller man läuft, umso länger muss man also laufen. Last man running ist der Sieger. Die ersten 2 km drückte ich mich jedoch zusammen mit einer Freundin aufgrund des großen Läuferfeldes – stop und go – durch den Olympiapark.

Der Wilhelm-Dörpfeld Weg im Münchner Olypark. pic Haas-Gebhard

Als wir an dem Straßenschild Wilhelm-Dörpfeld-Weg vorbeikamen und (noch) gut Luft zum Atmen/Ratschen war, frage ich meine Freundin, ob sie von diesem Herrn schon einmal gehört hätte. Sie zog die Augenbrauen hoch und schüttelte den Kopf. Meine Chance: „…ja, Wilhelm Dörpfeld war ein deutscher Architekt und Archäologe, der hat mit Schliemann in Troja und eben auch in Olympia ausgegraben, deshalb hat man hier im Olympiapark eine Straße nach ihm benannt …“. Und plötzlich hatte ich im Laufpulk um mich herum eine ganze Menge interessierter Zuhörer und sogar einige Nachfragen, die ich hier jetzt gerne beantworte: Nun, Olympia – ein heute wenig spektakulärer Ort auf der Peloponnes in Griechenland. In der Antike aber stand dort das größte Heiligtum des höchsten griechischen Gottes, des Göttervaters Zeus. Eine Art antike Wallfahrtstätte, wenn man so möchte, zudem mit einem Orakel, in dem man die Zukunft vorhergesagt bekam. Alle vier Jahre fanden an dem Heiligtum sportliche Wettkämpfe statt, zu denen sich ganz Griechenland dort versammelte. Seit dem 6. Jh. n. Chr. – da war man dann schon christlich – war das Heiligtum verlassen und zerfiel in Ruinen.

Der Zeus-Tempel von Olympia heute. Unbekannter Fotograf.

Der Platz des Heiligtums geriet tatsächlich vollkommen in Vergessenheit und wurde erst 1766 von einem Engländer wieder lokalisiert. Im 19. Jahrhundert begannen dort im Zuge einer allgemeinen europäischen Griechenland-Begeisterung Ausgrabungsarbeiten. Die waren ein wissenschaftliches Prestige-Projekt des neu gegründeten Deutschen Reiches und standen zunächst unter der Leitung von Ernst Curtius (1814-1896). Auch nach diesem Herrn wurde übrigens eine Straße im Olympiapark benannt (für MünchnerInnen: innen entlang an der sog. Park-Harfe !). Zwischen 1906 und 1929 hat dann Wilhelm Dörpfeld (1853-1940) verschiedene kleinere Grabungen in Olympia durchgeführt. Dörpfeld hat entscheidende Methoden der Archäologie entwickelt und darf deshalb zu Recht als einer der Gründerväter der modernen Archäologie gelten. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Forschung steht seit Dörpfeld nicht mehr das Herauswühlen schön anzuschauender, kunstgeschichtlich bedeutender Funde sondern die präzise Beobachtung der Fundlage und der archäologischen Schichten, so dass eine Rekonstruktion historischer Ereignisse möglich wird. In Olympia finden übrigens bis heute archäologische Forschungen von deutschen WissenschaftlerInnen statt. Erst 2008 konnten KollegInnen von der Universität Mainz die antike Pferderennbahn des Heiligtums wieder entdecken. Ja, auch Pferderennen waren Bestandteil der antiken Olympischen Spiele ! Infos zu den Grabungen in Olympia findet man hier: https://www.dainst.org/project/13319

Obwohl selbst kein Läufer, gelang es Willi Dörpfeld übrigens einmal, eine antike Laufstrecke zu rekonstruieren, auf der ein Wettrennen mit tödlichem Ausgang gelaufen wurde, aber das ist eine andere Story…

1898 auf dem Löwentor von Mykene in Griechenland. Rechts oben Heinrich Schliemann, im roten Kreis Wilhelm Dörpfeld. Foto: Deutsches Archäologisches Institut Athen, Neg. Nr. DAI-Athen-Mykene-63. Unbekannter Fotograf.
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