Munich Underground

Ein Blick nach unten ist beim Laufen immer aufschlußreich.

Vor einiger Zeit habe ich mich hier über die unterschiedlichen Laternenformen in München ausgelassen (http://www.runnershistory.de/laterne-laterne), aber eigentlich richtet man seinen Blick beim Laufen ja immer auf einen Punkt am Boden vor sich, um mögliche Gefahrenstellen wie Baumwurzeln, rutschiges Laub, vereiste Gullydeckel oder Hinterlassenschaften von Hunden und anderes rechtzeitig erkennen und dem ausweichen zu können. Gelegenheit also, mal drüber nachzudenken, über was man da so läuft… Laufen kann man ja überall, auf jedem Untergrund und der jeweilige Untergrund ist natürlich entscheidend für die erzielbare Geschwindigkeit, spezielle Belastung der unterschiedlichen beteiligten Sehnen, Muskeln und Gelenke sowie natürlich das Feeling. Die schnellsten Zeiten erreicht man zweifelsohne auf Tartanbahnen, das angenehmste Laufgefühl hat man wohl auf einem Waldboden – ich persönlich liebe es, barfuß am Strand zu laufen, auch wenn ein tiefer weicher Sand über längere Strecken sehr anstrengend werden kann. Als extrem unangenehm zum Laufen empfinde ich Kopfsteinpflaster, besonders wenn es nass = rutschig ist! Beim klassischen Marathon läuft man ja aber normalerweise auf Straßen und deshalb wird es allen angehenden MarathonläuferInnen geraten, auch dauernd auf Teerbelag zu trainieren, um seinen Bewegungsapparat auf diese spezielle Belastung einzustellen.

Auf Münchens Gehwegen – aber auch auf denen vieler anderer Städten – ist man deshalb dabei zumeist auf einem designmäßig ziemlich bescheidenem Untergrund unterwegs, nämlich 35 x 35 cm großen Beton-Quadraten, ohne dass sich wohl einer Gedanken darüber macht, dass dies – u. a. neben Oktoberfest und dem FC Bayern München – einen Markenkern der Stadt darstellt. Diese Platten heißen tatsächlich „Münchner Platten“ und sind unter dieser Bezeichnung in jedem Baustoffhandel erhältlich. Das städtische Baureferat betont, dass sie „..ein identitätsstiftendes Erkennungsmerkmal des öffentlichen Straßennetzes/-geflechts…“ wären – nun ja, was die Stadt München so für identitätsstiftend hält…

Der Olympia-Mastix.

Einen anderen „Münchner Untergrund“ laufe ich – vom Feeling her –  wesentlich lieber, den sog. „Olympia-Mastix“, das ist eine Sonderform eines Gussasphaltes, der 1972 beim Bau der Außenanlagen für das Olympiazentrum in München entwickelt wurde. Seine Besonderheit besteht darin, dass nur rundliche Gesteinskörnungen eingemischt werden, was ihn relativ weich macht und dass bei einem Sturz keine ganz so schlimmen Verletzungen hervorgerufen werden. Heute wird er überall auf der Welt, bevorzugt auf Parkwegen verwendet. Ein nicht so ganz bekannter, aber überaus nachhaltiger Effekt der Olympiade 1972 in München.

Aktuell sind übrigens einige Wege im Münchner Olympiapark mit einer neuen, frischen Mastix versehen worden. Ein wunderbarer Grip beim Laufen, herrlich für schnelle Intervalle, auch wenn’s nass ist, Genuss pur, ich sag’s euch- probiert’s aus !

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