Räter im Rofan

Neben Laufen gibt es ja noch zahlreiche andere schöne Sportarten. Im Winter liebe ich da Alles, was mit Eis und Schnee zu tun hat, besonders das Langlaufen, das eine wirklich tolle Alternative zum „lang laufen“ darstellt.

Dieses Jahr habe ich im Winterurlaub allerdings für mich das Schneeschuh-Gehen entdeckt, ausgehend von einer Aktivität, die das Hotel „Das Rieser“ in Pertisau am Achensee angeboten hat. Angeführt von Fitness Coach und Wanderführer Robin machte sich da gemeinsam mit mir eine kleine tapfere Gruppe mit Schneeschuhen auf den Weg von der Erfurter Hütte zur Seekarlspitze (2261 m) in der Rofan-Gruppe.

Auf Schneeschuhen unterwegs.

Rofan – ein Name, der schon klingt wie aus einem Märchen. Rofan – ein Gebirgsstock am Achensee, der mich schon immer fasziniert hat, weil die Berge da irgendwie ein bißchen anders auf mich wirken als sonst in den Alpen. Und dieser Name scheint tatsächlich sehr alt zu sein, wo doch die meisten Berge ihre Namen erst im 18./19. Jahrhundert bekamen. Wer übrigens wissen will, wie der höchste Berg Deutschlands zu seinem Namen kam kann das hier nachlesen: www.runnershistory.de/zugig-am-berg. Örtliche Legenden besagen, dass Rofan auf das lateinische „rovina“ = Ruine zurückzuführen wäre, da manche Felswände dort tatsächlich wie die Ruinen von Türmen oder Burgen wirken.

Mit ein klein bißchen Fantasie sieht der Rosskopf im Rofan schon aus wie eine Turmruine.

Aber der Name ist noch älter und geht auf ein rätoromanisches Wort  „roa“ = Mure (d.i. eine Schlamm- oder Geröll-Lawine) bzw. „rov-aneumonte“ – „Berg mit Muren“ zurück. Das Rätische ist die Sprache einer Bevölkerung, die noch vor der Zeit der Römer im inneralpinen Raum, etwa ab 500 v. Chr., ansässig war. Gerade um den Achensee herum lassen sich einige Ortsnamen finden, die auf ältere Sprachschichten zurückgehen, so der Name dieses schönen Berges:

Die Mondscheinspitze hat jetzt Nichts mit romantischem Mondschein zu tun, sondern lässt sich auf monticinu zurückführen, was so viel wie „kleine Bergweide“ bedeutet – im Sommer übrigens eine super-Bergtour (… nur für Schwindelfreie…).

Ziemlich sensationelle Reste der Räter kann man am Schneidjoch am nördlichen Rand des Rofan – schon fast in Bayern – aufsuchen. Dort gibt es bei einer kleinen Quellhöhle mehrere in den Felsen gehauene Inschriften in rätischer Sprache. Man kann diese lesen, die Buchstaben sind bekannt, allerdings ist die Deutung unter den WissenschaftlerInnen nicht ganz unumstritten. Die aktuellste Deutung geht davon aus, dass es sich dabei um die Hinterlassenschaften von Kulthandlungen handelt, die von mehreren namentlich genannten Personen einer Familie dort durchgeführt wurden, irgendwann zwischen 500 und 15 v. Chr. Nachlesen kann man das in aller Ausführlichkeit hier Layout 1 (univie.ac.at). Alle Rätsel der rätischen Sprache, die übrigens irgendwie mit dem Etruskischen verwandt zu sein scheint, sind eben noch nicht gelöst. Wenn man die Inschriften vom Schneidjoch mal anschauen möchte: die Lokalität findet man auf jeder Karte, die Höhle ist zum Schutz der Inschriften allerdings mit einem dicken Eisengitter verschlossen.

Weitere solche Felsinschriften wurden auch 2010 erst wieder im Rofangebiet entdeckt (Raetische_Felsinschriften_Nordtirol_Bayern_2021.pdf (anisa.at)) und ich bin mir eigentlich sicher, dass diese nicht die letzten waren! Auf unserer Schneeschuhtour habe ich zwar die Augen offen gehalten, aber leider Nichts entdeckt – ein von mir so genannter Fundort „Runnershistory-Felsen“ hätte mir aber natürlich sehr gut gefallen!

So war es aber einfach „nur“ eine wunderschöne Schneeschuhtour in netter Begleitung und ein ordentliches Alternativ-Training zum Laufen – was will man auch mehr…

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