Run, Kamala, run!

Kamala Harris ist Läuferin und steht in einer langen Tradition.

Letzte Woche, am 20. Januar wurde ja Joe Biden als 46. Präsident der USA vereidigt – endlich möchte man fast meinen. Und endlich hat einmal eine Frau fast das mächtigste Politik-Amt der Welt erreicht, mit Kamala Harris ist erstmals eine Frau Vice-President. Könnt ihr euch an das Video in den sozialen Netzwerken erinnern, in dem sie mit Joe Biden nach der Wahl telefonierte? „We did it, Joe, we did it…“?

Sie war zum Zeitpunkt dieses Telefonats ja ganz offenkundig beim Laufen, sie trägt adäquate Kleidung und hat sich die Kabel ihrer Kopfhörer ums Handgelenk gewickelt, im Hintergrund sind bodyguards zugange. Ok, das wirkte vielleicht Alles ein bißchen inszeniert, aber ich nehme ihr irgendwie schon ab, dass sie in ihrer Freizeit Joggerin/Läuferin ist und finde das auch gut, dass sie das herausstellt. Dass amerikanische Präsidenten Laufen als Sportart betreiben hat seit Jimmy Carter (US-Präsident 1977-1981) ja fast schon Tradition. Der schnellste running President ist übrigen bis heute George W. Bush, der beim Houston Marathon 1993 eine Zeit von 3:44:52 hingelegt hat. Dass man beim Laufen wunderbar abschalten kann, wissen natürlich nicht nur Präsidenten, sondern wir alle. Zudem kann man mit dieser Sportart einfach aber sehr medienwirksam nachweisen, dass man fit ist, sich an Schwieriges heranwagt und durchsteht.

Quasi ein Pflichtsport war das Laufen für die ägyptischen Pharaonen im fortgeschrittenen Alter. In altägyptischer Vorstellung hing das Wohl des Reiches und seiner Untertanen vom Wohl des Pharaos ab. Kurz gesagt, wenn der Pharao fit war, ging es auch dem Reich gut. Beim sog. Sed-Fest musste der Pharao seine physische Leistungsfähigkeit öffentlich unter Beweis stellen und gleichzeitig sollte da eine rituelle Regeneration der königlichen Kräfte mit göttlicher Unterstützung erfolgen. Einen enormen Anteil hatte dabei ein Laufritual, das offenbar den Mittelpunkt des Jubiläumsfestes bildete. Der Pharao musste eine Strecke laufen, alleine, ohne einen Gegner natürlich, denn der Pharao kann nach der altägyptischen Vorstellung überhaupt keinen Konkurrenten auf der Welt haben. Wie weit und wie lange – das wissen wir allerdings nicht. Wahrscheinlich ging es aber nicht über eine lange Distanz, vielleicht maximal 400 m. Man feierte das Sed-Fest 30 Jahre nach Herrschaftsbeginn eines Pharaos. Da kann man wohl davon ausgehen, dass dessen körperlichen Kräfte schon etwas nachgelassen hatten und eine Regeneration durch göttliche Einwirkung nötig war. Nach dem 30jährigen Thronjubiläum konnten Fest und Lauf in kürzeren Abständen wiederholt werden, solange der Pharao halt lebte. Der große Ramses II. z. B. regierte rund 66 Jahre lang – von 1279 bis 1213 v. Chr. – und hält den einsamen Rekord von 14 Sedfesten mit absolvierten Läufen. Die Pharaonin Hatschepsut (gest.14. Januar 1457 v. Chr.) dagegen feierte das Sedfest bereits in ihrem 16. Regierungsjahr, da sie die einfach die 14 Regierungsjahre ihres Vaters zu ihren dazu addierte. An der sog. Roten Kapelle in Karnak ist Hatschepsut beim Sed-Lauf dargestellt, die älteste Darstellung einer Läuferin überhaupt! Sie läuft barfuß mit weit ausgreifenden Schritten, trägt nur einen Lendenschurz und einen Halskragen, aber einen Zeremonialbart und Herrschaftsinsignien wie die Krone von Oberägypten. Auf den ersten Blick ist sie gar nicht als Frau erkennbar, aber die Königskartusche links unten trägt ihren Namen in Hieroglyphen, wie er auch auf einem Obelisken in Karnak erscheint.

Pharaonin Hatschepsut beim Sed-Lauf. Rote Kapelle in Karnak, ca. 1450 v. Chr. . Foto: C. Felske.
Der Name Hatschepsut in Hieroglyphen auf einem Obelisk in Karnak.

Kamala Harris steht somit irgendwie in einer großen, langen Tradition, auch wenn sie ihre Power gar nicht beim Laufen wie Hatschepsut unter Beweis stellen muss. Ich wünsche ihr nur das Beste für ihre Amtszeit und – unter Läuferinnen – gute Beine! Ach ja- und wer gleich zwei amerikanische Präsidenten gemeinsam joggen (und sich dehnen:)) sehen möchte, kann das hier auch noch mal tun – nicht ganz so gut inszeniert wie Kamalas Laufrunde, dafür aber für einen guten Zweck….

Hinweis: Das Bild der rennenden Hatschepsut wurde mir liebenswerterweise von Carina Felske zur Verfügung gestellt. Sie betreibt Selket’s Ägypten-Shop, in dem man schöne Objekte entdecken kann. Wer schon immer mal seinen Namen in Hieroglyphen lesen wollte, wird hier fündig!

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