Sakura, Hanami, Murakami

Es gibt ja kaum etwas Schöneres, als wenn im Frühjahr wieder Alles zu Blühen beginnt – alle Heuschnupfen-Geplagten mögen mir das verzeihen!

Ich liebe besonders die rosafarbene Kirschblüte, die man in unseren Breitengraden spätestens Ende März beobachten kann. Einen ganz besonderen Reiz hat das dann, wenn das Rosa in ein Wechselspiel mit einem zartem Grün, einem blauen Himmel und dem Weiß eines vielleicht noch gefallenen Schnees in ein Wechselspiel tritt. Dieses Jahr war die Kirschblüte in München allerdings sehr spät, sehr kurz und farblich etwas weniger spektakulär. Hier haben die Nachtfröste den rosa Traum leider sehr schnell in einen bräunlichen verwandelt. In Japan hat die Kirschblüte (=Sakura) eine hohe Bedeutung und wird dort bekanntermaßen in einem großen Fest (Hanami) gefeiert. In Anklang daran habe ich mehrere „Sakura-Läufe“ unternommen, um die schönsten Kirschblüten in München, verbunden mit einem Japan-Feeling, zu erleben. Der erste Weg führt mich da immer in den Olympiapark, wo ganze Alleen von Kirschbäumen die Hügellandschaft mit rosa Streifen überziehen.

Jedes Jahr ein Fest – Kirschblüte im Olympiapark. Pic Haas-Gebhard

Die Bäume wurden anlässlich der Olympischen Spiele 1972 als Hommage an Japan gepflanzt, da im selben Jahr auch die Winterspiele in Sapporo stattfanden. Sapporo ist seitdem Partnerstadt von München und dort steht – im Gegenzug –  in einem Park im Stadtzentrum ein original bayerischer Maibaum.

Der Münchner Maibaum in Sapporo. File:Maibaum Sapporo.JPG – Wikimedia Commons

Ebenfalls in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen steht das Teehaus hinter dem Haus der Kunst im Englischen Garten, natürlich auch von einem Kirschbaum begleitet. Das wurde ebenfalls erst 1972 errichtet. Es ist leider nicht öffentlich zugänglich und man kann es nur in Zusammenhang mit einer japanischen Tee-Zeremonie besuchen. Für eine solche Zeremonie braucht man etwas Zeit und seeeeehr viel Geduld, das ist also ideal für die mentale Vorbereitung auf einen Marathonverlauf. Bei beiden Gelegenheiten kann man seine Gedanken einfach mal loslassen.

Das hätte auch dem König Ludwig II. gefallen, das Japanische Teehaus im Englischen Garten!

Tja – Marathonlaufen, „Gedanken einfach frei lassen“ und Japan. Das sind die Stichworte, die mich unausweichlich zu Haruki Murakami führen. Wer es noch nicht gelesen hat: „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“, der sollte das unbedingt nachholen! Da erfährt man, was Literatur mit Sport zu tun hat und dass es nicht nur einen „Runners High“, sondern auch einen „Runners Blue“ gibt. Zudem wird man mit aberwitzig bizarren Laufprojekten konfrontiert, wie einem Solo-Lauf in der Mittagshitze am Rand der vielbefahrenen vierspurigen Stadt-Autobahn von Athen nach Marathon (genau in dieser Richtung!). Jedes Jahr zittere ich wegen Murakami der Literatur-Nobelpreisverleihung entgegen, denn ich habe mir geschworen: falls er den gewinnt, versuche ich mal, mich für den Tokyo-Marathon anzumelden!

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