Santiago und der Keltenarzt

Santiago ist mir auf meinem Weg nach Compostela gleich am westlichen Stadtrand von München begegnet und er hatte einen keltischen Arzt im Schlepptau.

Auf meinem diesjährigen virtuellen Run zur Wallfahrtsstätte  Santiago de  Compostela, ist mir der Namensgeber meines Ziels gleich im Stadtgebiet von München, an einer meiner „Standard-Laufstrecken“ begegnet. ( Ich bin dann mal weg | runnershistory) Völlig unvermittelt vor der idyllischen Blutenburg am westlichen Stadtrand von München ragt ein Steinkreuz empor, das man nach seiner äußeren Form nicht in Oberbayern sondern eher in Galizien, dem Nordwesten Spaniens, wo ja Santiago de Compostela liegt, vermutet hätte.

Das „Cruceiro“ an der Blutenburg, samt meiner Laufbegleitung

Das Kreuz steht auch erst seit 1983 an diesem Platz und es hat tatsächlich galizische Bezüge, aus der Inschrift am Sockel erfährt man, dass es ein Geschenk der galizischen Landsmannschaft an den Freistaat Bayern ist. Dass das Kreuz dem Hl. Jakobus, spanisch Santiago, gewidmet ist, erkennt man auch ohne eine Inschrift an der Figur, die auf einer kleinen Kanzel am Schaft der Säule sitzt, denn die trägt in der linken einen Pilgerstab und als Montur am Hut eine große Jakobsmuschel, das Erkennungszeichen Santiagos und seiner Pilger. Die mittelalterlichen Pilger benutzten die Muschel zum Wasserschöpfen und sehr viele von ihnen beendeten  ihre Pilgerfahrt nach Santiago erst 60 km hinter Santiago am Cap Finisterre am Atlantik, um dort eine echte Jakobsmuschel zu erstehen. Mittlerweile sind diese auch in Souvenirläden in Santiago erhältlich, wie ich gehört habe…

Santiago an der Blutenburg mit Pilgerstab und Muschel am Hut.

Witzig, dass dieser kleine Jakob auf seiner Säule  auch tatsächlich nach Südwesten schaut, Richtung Santiago de Compostela.

Was macht aber jetzt die Säule genau an diesem Ort, vor der Blutenburg? In Galizien stehen diese „cruceiros“ an Wegkreuzungen, bei Friedhöfen und auch irgendwie „mythischen“ Orten. So scheint der Platz gar nicht schlecht gewählt, denn in diesem Bereich befand sich einmal ein keltisches Gräberfeld (ca. 250 – 120 v. Chr.)  mit ziemlich spektakulären Funden, Frauen mit tollem Schmuck und stark bewaffnete Männer, unter ihnen sogar einer, der medizinische Instrumente dabei hatte.

Keltische Grabbeigaben aus Obermenzing: Schwert, Wundhaken, Skalpell. Archäologische Staatssammlung München, St. Friedrich

https://www.bavarikon.de/object/bav:ASM-OBJ-0000000000000079?lang=de

Das keltische „Arztgrab von Obermenzing“ ist in der archäologischen Forschung berühmt, ziemlich sensationell und eines der Highlights der Archäologischen Staatssammlung München, meinem Arbeitgeber. Wer etwas mehr über keltische Medizin wissen will, ist übrigens hier gut bedient: https://www.academia.edu/44606545/Innovationen_in_der_keltischen_und_germanischen_Medizin

Santiago und eine medizinische Begleitung, das sieht ja schon mal ganz gut aus für meine restliche Wegstrecke. Ich bin übrigens gerade erst bei km 210, habe also noch ein bißchen was vor mir…

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