Sauerei in Forstenried

Im Forstenrieder Park bei München kann man nicht nur Wildschweinen, sondern auch einem bayerischen Super-Minister begegnen.

Am Wochenende ist wieder Volkslauf in Forstenried, traditionell der Beginn der Wettlaufsaison im Münchner Umland. Und – ehrlich gesagt, das ist auch das einzige Mal im Jahr, dass ich dort laufe, obwohl es eigentlich ein wunderbares Gelände ist: ein ausgedehnter schattiger Wald mit abwechselnd Schotter- und asphaltierten Straßen, auf denen man wunderbar viele Kilometer herunterlaufen könnte. Genügend andere Läufer, Wanderer, Spaziergänger oder Radler sind da auch immer unterwegs. Ein „Problem“ stellt für mich allerdings der Straßenverlauf dar – es geht zumeist schnurgerade durch den Wald, was mich auf die Dauer halt schon etwas langweilt. Diese „faden Pfade“ gehen auf die Geschichte des Forstenrieder Parkes zurück, der ursprünglich mal als Jagdgelände für das bayerische Herzogs- und Königshaus eingerichtet worden war. Ab dem 17. Jahrhundert führte man dort Parforce-Jagden, also Hetzjagden mit einer Hundemeute zu Pferde durch, bei denen man auf unbefestigten Schneisen (den heutigen Wegen), die man in Bayern auch „Geräumte“ nennt, durch den Wald galoppierte. Ein bißchen was von Jagdrevier hat der Forstenrieder Park auch heute noch und ich gebe ehrlich zu: Der eigentliche Grund, der mich vom regelmäßigen Laufen durch den Park abhält sind: Wildschweine.

Nach der Auskunft eines Läufers, der häufiger dort unterwegs ist, ist es nämlich nicht die Frage ob, sondern wann man ihnen dort begegnet. Gerüchte besagen zwar, dass sie nur östlich der A 95 (München – Garmisch) leben würden, die den Park brutal zerschneidet. Ich traue diesen Tieren aber Alles zu – auch ein Queren der Autobahn ! – und die Ratschläge, wie man sich bei einem Zusammentreffen verhalten soll, sind sehr unterschiedlich. Weglaufen scheint nicht die richtige Lösung zu sein, denn so ein Wildschwein kann eine Spitzengeschwindigkeit von 50 km/h erreichen. Nicht einmal ein Usain Bolt hätte da eine Chance (Spitzengeschwindigkeit 45 km/h)! So vertraue ich halt jedes Jahr darauf, dass der SC Forstenried beim Volkslauf seine Wildsauen im Zaum hält und bin ansonsten dort eher ab und zu mal mit dem Radl unterwegs. Dabei bin ich einmal auf die Preysing-Säule gestoßen, welche die Forstenrieder Halbmarathon-Strecke leider nicht tangiert. Mitten im Wald steht da ein eindrucksvolles Baudenkmal, dass anlässlich eines Jagdunfalls 1735 dort errichtet wurde.

Der damalige Oberststallmeister und Oberdirektor der Finanzen und damit mächtigste Beamte Bayerns – heute würde man sagen der Verkehrs-, Innen- und Finanzminister in einer Person, ein Graf Max Emanuel von Preysing war genau dort bei der Jagd vom Pferd gestürzt und schwer verletzt worden – ob ein Wildschwein dabei eine entscheidende Rolle gespielt hatte, ist nicht bekannt. Offenbar war Preysing ein außerordentlich fähiger Politiker, denn sein Chef, der bayerische Kurfürst Karl Albrecht persönlich war über seine Genesung dann dermaßen glücklich, dass er zum Dank diese Säule errichten ließ ! Die Tagebücher des Grafen Preysing sind über die Jahrhunderte hinweg übrigens erhalten geblieben, wer Lust dazu hat, kann sie sich im Kulturportal bavarikon (https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000004434) mal ansehen – es ist allerdings keine leichte Lektüre! Noch am Tag des Unfalls, dem 29. November 1735 hatte Preysing einen Eintrag in sein Tagebuch gemacht, und sogar zum Wetter vermerkt „Nebel“. Er scheint nach dem Sturz einige Zeit zur Rekonvaleszenz gebraucht zu haben; erst am 11. Januar des darauffolgenden Jahres findet sich wieder ein Tagebucheintrag von seiner Hand.

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