Schuhsalat

Da wurden doch glatt die Schuhe von zwei der G(reatest) O(f) A(ll) T(ime) Runners vertauscht!

Laufen gilt ja eigentlich als einfache Sportart, für die man keinen großen Aufwand betreiben muss: einfache Sportbekleidung, ein Paar Schuhe und raus und loslaufen! Aber Schuhe, das ist tatsächlich so ein Thema. Wenn man sich auf dem Laufschuhmarkt umschaut kann es einem fast schwindlig werden: da gibt es Dämpfungsschuhe, Stabischuhe, Trailrunningschuhe, Barfußschuhe Wettkampfschuhe etc. etc. – und jedes Jahr zig neue Modelle. Laufanfängern wird deshalb geraten, sich in einem auf den Laufsport spezialisierten Geschäft beraten zu lassen und sich dort nach einer Laufstilanalyse das individuell zu einem passende Paar Schuhe empfehlen zu lassen. Das mache ich natürlich auch, entscheide mich dann aber zumeist nach dem Ratschlag, den mir der Schuhhändlers meines Vertrauens mal ins Ohr geflüstert hatte: „… du musst dich in dem Schuh wohlfühlen, das ist das wichtigste…“. Dieses Jahr habe ich mich nun für das Streak-Running entschieden, d.h. ich laufe an jedem Tag mindestens 1 Meile (1,66 km)-meistens wird es aber länger. Deshalb habe ich eine ziemlich hohe Anzahl an Laufschuhen im Gebrauch, denn ich mag es sehr, jeden Tag andere Schuhe zu tragen (… nicht nur beim Laufen…), mein Laufapparat hält so die Belastung besser aus – bilde ich mir zumindest ein.

In Sachen Laufschuhen habe ich letztes Jahr was Nettes erlebt. Anlässlich des Athen Marathons habe ich in dem beschaulichen Örtchen Marathon auch das dortige Museum besucht. Thematisiert ist dort die Geschichte des Marathonlaufes und man erfährt da einiges Wissenwertes. Vor einer Vitrine habe ich aber gestutzt.

Ausgestellt waren dort die Marathonschuhe des tschechischen Wunderläufers Emil Zátopek, der bei der Olympiade 1952 die Goldmedaillen in allen drei Langstrecken (5000m, 10000 m, Marathon) gewonnen hatte – eine großartige und bis heute nicht wiederholte Leistung. Und diese Schuhe – obwohl von adidas – zeigten nur zwei Streifen und besaßen spikes, also diese kleinen Metalldorne vorne im Ballenbereich. Bei aller Liebe, dachte ich mir, aber mit spikes unter den Füßen läuft man keinen Marathon auf der Straße, die taugen nur etwas auf der Bahn, auf Tartan oder früher wie bei Zátopek, auf Asche! Ein Blick in die Vitrine nebenan konnte meine Verwirrung aber auflösen: ausgestellt waren dort – angeblich – die Schuhe von Jesse Owens, des Sprint-Olympiasiegers von 1936. Rote Schuhe, mit den klassischen drei Streifen, ohne Spikes – das sind keinesfalls Sprintschuhe für einen Spitzenläufer wie Owens, das sind Schuhe, in denen man einen Marathon laufen kann! Und noch dazu die rote Farbe, die passt doch auch viel besser zu Zátopek, der in seiner Laufkarriere immer in einem roten Trikot angetreten war.

Die drei Streifen sind übrigens auch erst seit 1948 das logo von adidas, Jesse Owens Schuhe von 1936 mussten also gar keine drei Streifen aufweisen, Zátopeks von 1952 aber schon! Adi Dassler (der Gründer von adidas) hat schon damals sein Markenrecht sehr vehement durchgesetzt. Die AusstellungsmacherInnen hatten also tatsächlich die Schuhe von Jesse Owens und Emil Zátopek in der Vitrine vertauscht – oder war das etwa eine Reinigungskraft? Da ich selbst in einem Museum arbeite und Ausstellungen einrichte, musste ich da glatt etwas schmunzeln – jedem passieren ja Fehler! Gleichzeitig überlegte ich mir, wie vielen BesucherInnen dieses Versehen wohl überhaupt aufgefallen sein wird? War das am Ende Absicht? Ich glaube, ich bau bei meiner nächsten Ausstellung auch mal so einen Fehler rein und schau ob’s überhaupt einer merkt. Vielleicht mache ich das aber auch mal bei einem meiner nächsten Texte hier….passt also gut auf!

Die Schuhe dieser beiden GOATs waren übrigens jeweils Maßanfertigungen von Adi Dassler, ein Luxus, von dem wir normal-Sterblichen nur träumen können. Naja, so ziehe ich halt zumindest jeden Tag andere Schuhe an, um meinen Füßen etwas Gutes zu tun. Zátopek ist übrigens auch noch in ganz anderen Schuhen gelaufen, aber das wißt ihr sicher alle schon, oder?

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.