Top-Model der Antike

Venus, wer sonst…

Da mich einige Rückfragen wegen meines Cover-Models vom 1. Januar 2021 erreicht haben, gibt es heute mal einen Beitrag der etwas weniger mit „running“, dafür mehr mit „history“ zu tun hat. Die Dame, die da so neckisch ein runnershistory-Shirt über dem Arm hängen hatte, ist eine Gipskopie der Venus Medici, die mal von einer Sonderausstellung übrig geblieben ist und an meinem Arbeitsplatz täglich die MitarbeiterInnen empfängt. Das antike Original besteht aus Marmor, befindet sich in den Uffizien in Florenz und dem würde ich natürlich aus konservatorischen Gründen niemals einfach mal so ein Laufshirt über den Arm hängen! Die Venus Medici ist mit 151 cm Höhe etwas unterlebensgroß und eine der bekanntesten und am meisten kopierten antiken Statuen. Allgemein geht man davon aus, dass sie im 1. Jh. v. Chr. entstanden ist, nach dem Vorbild einer prominenten griechischen Statue (Aphrodite von Knidos) des 4. Jh. v. Chr. Wo die Venus Medici genau herkommt, wissen wir nicht. Schon im 17. Jahrhundert befand sie sich in Italien, aber die Römer waren ja schon große Kunsträuber, die nicht nur Ägypten plünderten, sondern auch aus Griechenland alles mitnahmen, was Ihnen irgendwie gefiel. Im Besitz der Familie Medici gelangte sie dann nach Florenz und irgendwann muss sie der florentinische Renaissance-Künstler Sandro Botticelli gesehen haben, denn die Venus von Medici ist unbestritten das Modell für sein Gemälde „Geburt der Venus“. Venus, die Göttin der Liebe, war in Antike, Mittelalter und Renaissance das unangefochtene Top-Model, wenn es um die Abbildung eines weiblichen nackten Körpers ging, „normale“ Frauen wurden so auf keinen Fall abgebildet, das verbot das Schamgefühl. Auf dem zweiten Platz, aber weit abgeschlagen, folgt dann Eva…

Die Venus von Medici gehört zum Typ der sog. „Venus pudica“, d.h. der schamhaften Venus. Die Hände hält sie schamhaft vor den Körper, um pikante Stellen zu verstecken. Daneben kennen wir aus der Antike aber noch weitere Venus-Typen. Da gibt es z. B. die „Venus Anadyomene“, die aus dem Meer Auftauchende, die irgendwie mit dem Ordnen ihrer Haare beschäftigt zu sein scheint. Mit der Bezeichnung „Auftauchende“ ist der Moment der mythischen Geburt der Venus gemeint, in dem sie – als erwachsene Frau – aus dem Meeresschaum (eigentlich das Sperma des Göttervaters Zeus…) an der Küste Zyperns aufersteht. Dann gibt es noch die Venus Kallpygia, die neckisch über ihre Schulter nach hinten schaut und ihr schönes nacktes Hinterteil, den „kallipygos“ betrachtet.

 Und dann haben wir natürlich auch noch die großartige Venus von Milo, um die sich in Nicht-Corona-Zeiten Heerscharen von Besuchern im Louvre scharen. Kiloweise Literatur gibt es zu dem Thema, wie ihre Arme wohl zu rekonstruieren wären! Mich überzeugt am ehesten die Theorie, dass sie in den Händen den runden Metallschild des Kriegsgottes Mars hielt, mit dem sie ein leidenschaftliches Verhältnis hatte. Seine wichtigste Schutzwaffe, den Schild, hatte sie ihm abgeluchst, um in  dessen spiegelndem Metall mit heraufordernder Miene ihr Aussehen zu checken, wobei es ihr völlig egal scheint, dass ihr dabei das Gewand gerade über die Hüften hinunter zu rutschen droht. Eine Attitude, die ich nun eher mit der Göttin, die im griechischen Olymp für alle Aspekte von Liebe, Erotik und Sex zuständig ist, in Verbindung bringen möchte, als das schamhafte Getue der Venus Medici!

Was das Alles mit Laufen zu tun hat? Eher wenig, wenn man nicht darauf hinweisen will, dass man durch regelmäßiges Lauftraining sich durchaus einen „kallipygos“ antrainieren kann…

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