Zugig am Berg

Auf die Spitze des Zuges rauflaufen?

Bergläufe bringen ja immer Abwechslung in den normalen Läufertrott, sind in München aber nicht ganz einfach machbar, denn die Stadt liegt nun mal ziemlich flach. Ich mache Bergläufe meistens an der zweithöchsten Erhebung im Stadtgebiet, dem Olympiaberg, der immerhin 55 stolze Höhenmeter bietet! Oben angekommen hat man an klaren Tagen einen wundervollen Blick auf den höchsten Berg Deutschlands. Angesichts dieser Aussicht war mir eigentlich immer ganz klar, warum dieser Berg „Zugspitze“ heißt, wirkt der Gipfel doch ganz klar wie die westliche Spitze des Bergzuges Wetterstein.

Sieht doch aus wie die Spitze eines Zuges, der Zugspitz, oder? ©Haas-Gebhard

Doch zu meiner großen Überraschung musste ich feststellen, dass der Name schon ab etwa 1780 bekannt ist und das sind nun mal gut 50 Jahre, bevor in Deutschland das erste Mal überhaupt ein Zug fuhr. Gut, eigentlich war es nur eine Lokomotive, die 1835 von Nürnberg nach Fürth schnaufte, der berühmte „Adler“. Die Bezeichnung Zugspitze muss demnach aber von wo anders herkommen, nicht von einem Zug im heutigen Sinn. Ob es da oben am Gipfel immer besonders zugig war und der Name sich von einem Luftzug ableitet? Unwahrscheinlich, im Gebirge bläst es ja meistens etwas. Am schönsten finde ich ja die märchenhafte Namensableitung vom „Zuggeist“ einem gigantischen Raubvogel, der angeblich den Gipfel bewacht. Ich mach euch mal die Märchentante hier:

Das Märchen vom Zuggeist.

Weniger romantisch, dafür aber überzeugender ist eine andere Deutung: auf alten Karten ist nördlich des Gipfels ein Flurname „Zug“ eingetragen und Zug ist ein altes Wort für Lawinen- oder Geröllbahnen. Die Zugspitze ist also eigentlich der Berg, von dem gefährliche Schnee- und Gerölllawinen ins Tal zogen. Lange Zeit war der Berg übrigens männlich, erst seit dem 19. Jahrhundert spricht man nicht mehr von „dem Zugspitz“, außer im örtlichen Dialekt. Wie auf den Olympiaberg führen auf den Gipfel der Zugspitze zahlreiche Wege. Der kürzeste zu Fuß geht über den sog. Stopselzieher ab dem Eibsee, der für mich schönste durch die romantische Höllentalklamm ab Hammersbach/Grainau, virtuell erlebbar hier: https://zugspitze360.com. Beide Strecken kann man nicht im Laufschritt bewältigen, man benötigt für sie eine komplette Klettersteigausrüstung. Auf den engen Stegen durch die wilde Hölle sind zudem immer sehr viele Spaziergänger/Wanderer unterwegs und an „Leiter“ und „Brett“ kommt es deshalb regelmäßig zu Wartezeiten. Wenn man aber unbedingt einmal die Zugspitze im Laufschritt erobern will, macht man das am besten auf der sog. Gatterltour, von der Ehrwalder Alm in Tirol durch eine kurze leichte Kletterpassage am Gatterl (der Grenze zwischen Tirol und Bayern) und über die Karstfläche des Zugspitzplatts.

Am „Gatterl“, der Grenze zwischen Bayern und Tirol – das ist die Stelle nach der Kletter-Passage! https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Alpen_Wettersteingebirge_Gatterl.jpg Maddl79 CC BY-SA 3.0

Nur knapp 18 km, aber 2235 hm…. viel Spaß! Mein Fall sind solche anspruchsvollen Höhenunterschiede im Lauftempo nicht, ich bleib da lieber bei meinem überschaubaren Olympiaberg fürs moderate Berglauftraining. Für die Zugspitze nehme ich meine Wanderschuhe, die Klettersteigausrüstung und hinterher immer wieder gerne das Hotel Post in Lermoos.

Die Zugspitze „von vorne“, von der Terrasse des Hotels Post in Lermoos. ©Haas-Gebhard

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